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Yella

BRD 2007

DVD 87min

Standort

WestEnd Regisseure A-Z

Sprachen
Deutsch   
Untertitel
Deutsch, Englisch   
Regie
Christian Petzold
Kamera
Hans Fromm
Produzent
Michael Weber, Florian Koerner von Gustorf
Schauspiel
Devid Striesow, Hinnerk Schönemann, Burghart Klaußner, Nina Hoss, Martin Brambach, Christian Redl, Barbara Auer, Wanja Mues
Empfohlen von
Inga, Mitarbeiter
Genre
Drama, Thriller
Inhalt
Wie schon in "Gespenster" inszeniert Christian Petzold einen Kosmos der Transzendenz, in dem Realität und Traum, Alltag und Parabel nicht mehr trennbar sind. Außerdem auf der DVD der Film "Nicht ohne Risiko" (2004) von Regisseur und Autor Harun Farocki.(x)

Kommentare

4 Punkte von Lars Tuncay:
Autos – Keimzellen von Intimität und Entfremdung. Waffen ebenso, wie Selbstmordvehikel. Sie sind elementarer Bestandteil eines jeden Petzold-Films. Vielleicht lag das Scheitern von „Gespenster“ auch an der nahezu völligen Abwesenheit der Verkehrsmittel. Nun ist Christian Petzold zurück hinterm Steuer. Yella scheint den Bruch mit ihrer Vergangenheit geschafft zu haben. Sie reist nur noch ins heimatliche Wittenberge, um sich vom Vater zu verabschieden. Doch ihr Ex-Freund Ben lässt sie so einfach nicht ziehen. Er sucht das Gespräch, sie blockt ab. Er holt sie ab, um sie zum Bahnhof zu bringen und Yella willigt ein. Eine fatale Entscheidung, denn die Fahrt endet im Fluss. Klatschnass rettet sie sich ans Ufer und steigt in den Zug nach Hannover. Der neue Job entpuppt sich aber als Seifenblase, die gleich ihrer Zukunftsträume zerplatzt. Da bittet sie der Risiko-Finanzier Philipp um ihre Mithilfe bei einem Geschäft. Die beiden entpuppen sich als perfektes Team und es wächst eine vorsichtige Beziehung. Doch Ben taucht immer wieder auf und schüchtert Yella ein. Es ist faszinierend, wie Petzold die Atmosphäre einer schleichenden Bedrohung aufbaut, die in einem Finale mündet, das zwar vorhersehbar, aber dennoch stimmig ist. Ähnlich, wie bei „Wolfsburg“ beginnt auch „Yella“ mit einer Katastrophe und alles, was danach kommt ist von einer unwirklichen Taubheit geprägt, die sich über unsere Sinne legt, wie Wasser über die Gehörgänge. Nina Hoss spielt die Betäubte mit einer spürbaren Verängstigung und Devid Striesow glänzt erneut im Maßanzug. Ein Spiel mit der Psyche, das lange nachwirkt.

4 Punkte von Björn Siebert:
Ganz getraut hat er sich dann wieder nicht. Aber mit Yella ist der deutsche Autorenfilmer Christian Petzold so nah dran wie noch nie. Woran? Am Genrefilm! Ähnlich wie Gespenster ist Yella ein Geisterfilm, also eigentlich ein Horrorfilm. Nur verpackt Petzold das in so schwere Bilder und träge Dramaturgie, das Fans von Horrorfilmen am Ende damit nichts anfangen können. So etwas hat Antonioni mit Filmen wie "Blow Up" und "Beruf Reporter" als System installiert. Petzold fingert hier aber nicht nur am Genrefilm herum sondern auch an seinen Vorbildern. Yella, das sind zwei lupenreine Remakes: In der Klammer steht "Carnival of Souls", ein Kultfilm in Horrorkreisen und ein Lieblingsfilm Petzolds, sowie in der Klammer, eine Dokumentation von Petzolds Mentor Harun Farocki über schnelles Geld, die Welt des Risikokapitals, über Panik der Existenzbedrohung und Kapitalismus im Allgemeinen. Diese Doku von Farocki trägt den Titel "Nicht ohne Risiko". Wenn Yella also ein Film über Risse ist, über Risse in der Wahrnehmung, in der Wirklichkeit, im Leben seiner Hauptfigur, zwischen Ost-und Westdeutschland geht dieser Riss aber auch durch den Film selbst. Er ist eine Art zerpflücktes Doppelremake, ein hybrid zusammengesetztes Genrestück, ein Zwitterwesen und mit der üblichen Autorenfilmer-Verschleierungstaktik unkenntlich gemacht. Petzold hat sich damit aber leider keinen Gefallen getan, ein mutiger Genrefilm wäre wohl besser gewesen. Da hätte er vom Genrefilmliebhaber Dominik Graf lernen können (Der wiederum mit "Der Felsen" sein eigenes Kunstfiasko noch nicht verdaut zu haben scheint). Somit kommt der Film leider auch nicht an den großartigen Gespenster ran. Trotzdem ist das am Ende natürlich wieder eine metaphysische Meditationen der Extraklasse und hat sich die 4 Punkte gegenüber den anderen deutschen Filmen des Jahres mehr als verdient, aber ganz so hell wie die Leuchttürme "Gespenster", "Wolfsburg" und "Die innere Sicherheit" strahlt Yella halt nicht.

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb