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OstPunk! Too much Future

BRD 2006

DVD 92min

Standort

WestEnd DVD-Katalog/Musikfilm (K)

Sprachen
Deutsch   
Untertitel
Englisch   
Regie
Carsten Fiebeler, Michael Boehlke
Drehbuch
Carsten Fiebeler, Michael Boehlke, Henryk Gericke
Kamera
Daria Moheb Zandi, Robert O.J. Laatz
Produzent
Jens Meurer, Stefanie Brummer
Genre
Dokumentation, Musikfilm
Stichworte
Punk, Doku - Lebensräume, Doku - Zeitgeschichte, Musik, zeithistorisch
Inhalt
Heute arbeiten sie als Sozialarbeiter, Künstlerin, Gerüstbauer oder Türsteher - der Colonel, Mike Göde, Daniel Kaiser, Mita Schamal, Cornelia Schleime und Bernd Stracke, die Interviewten dieser Doku über ein unbekanntes Kapitel ostdeutscher Jugend. In den 1980er Jahren lebten sie in der DDR, waren Punks und machten Punkmusik mit "Wutanfall", "Betonromantik", "Planlos" oder "Zwitschermaschine". Ist Punk an sich schon nihilistisch, aggressiv, von Elementen der Subkultur, Anti-Kultur, des Anarchismus und Anti-Establishment getränkt, so war Punksein in der DDR ein letzter Akt der Rebellion.

Kommentare

3 Punkte von Susanne Schulz:
Die Malerin Cornelia Schleime sitzt auf der Brüstung einer ausladenden Terrasse und zweifelt: einen bewegten Film über eine Bewegung machen, die es nicht mehr gibt? „Da liegt der Affe begraben!“ Schön zu sehen, dass trotzdem noch Figuren übrig geblieben sind, die sich ihre individuellen Nischen bewahrt haben. Mehr oder weniger angekommen in einer Gesellschaft, die sie sich mit siebzehn auch nicht erträumt hatten, welche aber nicht so offensichtlich im Gleichschritt marschiert. Der eine, Mike Göde, früher der Ostberliner Szene angehörig, hat heute eine Gerüstbaufirma, Eigenheim nebst Freundin und zwei fette Wagen vor der Tür. Zweitjob ist seine Hardcorepunkband „Punishable Act“. Er bekennt, dass Punk-Sein auch immer etwas mit Eitelkeit zu tun hatte. Und mit der Ausgrenzung von vermeintlichen Mitläufern. So bekam Starkie alias Bernd Stracke schon mal eine Abreibung wenn er mit seinen Leipziger Punkfreunden im Plenterwald aufschlug. Der „bekennende Demokrat“ engagiert sich heute im Bautzener Stadtrat. Einzelkämpfer im Herzen sind sie alle geblieben: auch Mita, Colonel und Kaiser. Und sie erzählen in verschiedenen Episoden von der Ästhetik des Punk, der Musik, den Treffpunkten, ihren alten Träumen und über die Versuche der Staatsgewalt die Szene zu zerschlagen. Erfahrungen mit Inhaftierung und Beschattung haben alle machen müssen und in den Achtzigern sind die meisten in den Westen gegangen. Sie haben sich untereinander gekannt und manche auch geliebt. So wird es sicher auch einigen Zuschauern gehen. Und hierin liegt der Charme des Filmes von Carsten Fiebeler und Michael Boehlke: man trifft alte Bekannte und schwelgt in Erinnerungen. Dann stellt man fest, dass man älter geworden ist und ziemlich bürgerlich, um am Ende die alten Lieder anzustimmen. Aber so richtig in Bewegung setzt sich nichts, auch wenn man angestrengt versucht etwas Punk zwischen die Talking Heads zu schneiden.

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb