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Valley of Elah
In the Valley of Elah / Im Tal von Elah

USA 2007

DVD 116min

Standort

WestEnd Polit-Thriller

Sprachen
Deutsch, Englisch   
Untertitel
Deutsch   
Regie
Paul Haggis
Drehbuch
Paul Haggis
Kamera
Roger Deakins
Musik
Mark Isham
Produzent
Paul Haggis, Patrick Wachsberger, Steve Samuels
Schauspiel
James Franco, Josh Brolin, Tommy Lee Jones, Charlize Theron, Susan Sarandon, Barry Corbin, Frances Fisher, Jason Patric
Genre
Drama, Thriller
Stichworte
Kriegs-/Antikriegsfilm, Vater-Sohn, Irakkrieg, Verbrechen, Trauma
Inhalt
Hank Deerfield (Tommy Lee Jones) macht sich auf die Suche nach seinem Sohn Mike. Denn dieser ist nach seiner Rückkehr aus dem Irakkrieg spurlos verschwunden. Militär und Polizei wollen von der Angelegenheit nichts wissen, nur bei der Polizistin Emily Sanders (Charlize Theron) findet er Hilfe. - Weniger ein Film über das Kriegsgeschehen selbst, sondern über das was Krieg mit Soldaten und Familien anstellt. Paul Haggis erhielt 2007 in Venedig den SIGNIS Award für den auch von der Kritik sehr gelobten Film.

Kommentare

3 Punkte von Susanne Schulz:
Hängt die amerikanische Flagge über Kopf an der Fahnenstange bedeutet dies, dass sich das Land nicht mehr selbst zu helfen weiß, erklärt Hank Deerfield einem unbedarften Schulhausmeister. Deerfield, gut gealteter Vietnamveteran befindet sich auf dem Weg zum Armeestützpunkt Fort Rudd in New Mexico, denn sein Sohn Mike, der gerade von einem Einsatz im Irak zurückgekehrt war, gilt als vermisst. Die Deerfield-Männer hatten immer ein sehr enges Verhältnis und Hank weiß, dass es einen guten Grund für Mikes Verschwinden geben muss. Erzogen in einer wohlbehüteten mittelständigen Familie, mit einem Vater, der Disziplin, Ordnung und Ehre vorlebte, galt Mike als Mustersoldat. Und Hank bekommt von Vorgesetzten, Kameraden und Barfrauen genau dieses Bild bestätigt. Nur die Videosequenzen, die Mike mit seinem Handy im Irak filmte und die als Dokumente in die Handlung montiert werden, sprechen eine andere Sprache. Als die Polizei verbrannte Leichenteile unweit des Stützpunktes entdeckt, bricht das Leben des Veteranen Hank auseinander und das heldenhafte Bild seines Sohnes bekommt Risse. Die Nachforschungen im Fall Mike legen Wunden offen, die die Grundsätze der amerikanischen Gesellschaft fragil erscheinen lassen. Die Einzige, die ehrlich versucht, Hank auf der Suche nach der Wahrheit zu unterstützen und gegen die Verschleierungstaktiken von Seiten des Militärs anzugehen ist die junge Polizistin Emiliy Sanders. Paul Haggis lässt sie gegen ein chauvinistisches, hierarchisch strukturiertes System anrennen und letztendlich verlieren und legt damit sehr klar und eindringlich erzählt die Strukturen der gesamten „Macho-Kriegs-Kacke“ offen, wie ein Kamerad von Mike den Umgang mit der Kriegssituation beschreibt. Der Einsatz im Irak hat die Perspektive der jungen Männer verschoben und ihre Wahrnehmung dafür, was Recht und Unrecht ist, untergraben. Der Film, welcher vor allem durch eine perfekte Besetzung lebt, stellt ohne falsche Belehrungen die grundsätzliche Frage nach Verantwortung. Verantwortung der Väter für ihre Söhne, der Söhne für ihre Taten und einer Nation, die ihre Kinder in den Krieg schickt. Vor allem wenn sie mit nur fünf Steinen bewaffnet sind, wie David im Kampf gegen Goliath im Tal von Elah. Eine ambivalente und diskussionswürdige Perspektive, die Paul Haggis einnimmt: denn wer ist David und wer Goliath? Die amerikanische Flagge weht derweil kopfüber im Wind und sendet Notsignale.

3 Punkte von Björn Siebert:
Wie Tommy Lee Jones die Bedeutung einer falschgehängten Flagge erklärt ist wirklich rührend, und es passt zu diesem Lehrstück, dass sich alle Szenen zu allen Seiten hin absichern. Nicht das man das Publikum überfordern könnte. Haggis ist ein toller Regisseur und ein guter Drehbuchautor, aber "Valley of Elah" ist viel zu offensichtlich gemacht, die Geschichte von David und Goliath zum Beispiel, das versteht auch noch meine tote Oma. Haggis´ Parabel ist eigentlich ein gewöhnlicher Krimi. Ganz gut gemacht, aber nicht weltbewegend. Die wirklich mutigen Filme hat Hollywood die letzten Jahre geschickt umfahren. 1968 drehte Haskell Wexler "Medium Cool" einen Film, der seine eigene Verspätung gegenüber dem Meduim TV in eine Melancholie überführte die einzigartig blieb. Das TV übernahm plötzlich das Resort der Stimmungsmache in einer Zeit der politischen Unruhe in einem gespalteten Amerika. Wexler drehte mitten im Getümmel der Demonstrationen einen Kinofilm. "Watch out, Haskell, it is real!" ruft ein Mitarbeiter seinem Regisseur zu, dann bricht das Bild und es folgte ein Leerstelle. Durch den Schneidetisch und die Postproduktion fand der Film ein Jahr zu spät seinen Weg ins Kino. Der Kampf war verloren, Live-TV hatte eine Domäne des Kinos vereinnahmt. Seit dem hat das Kino seine Trägheit ausgebaut. Haggis` Film ist gut gemeint, kommt aber mindestens 3 Jahre zu spät. Wenn Tommy Lee am Ende die amerikanische Flagge falsch herum hisst, um zu sagen, dass Amerikas Arsch auf Grundeis gelaufen ist, ist das so mutig wie schwimmen in der Badewanne. Bleibt Tommy Lee Jones, der so etwas wie das personifizierte Gesicht eines alten Amerikas ist, in dem Kriege noch echte Kriege waren und Ehre eben Ehre. "No Country for old Men" "Valley of Elah" und "Three Buriels" lassen den Schluss zu, dass es sich hier gar nicht um Autorenfilme von Regisseuren handelt, sondern um das Werk eines Schauspielers, der die Verzweiflung eines vor die Hunde gehenden Landes kongenial aufsaugt. Das erinnert an das Gesicht von Jack Nicholson in den späten 60ern. "Valley of Elah" hat ein paar Vorteile, die Handyvideosequenzen sind so ein ästhetische Beispiel, in dem der Film versucht, neue Wege zu bestreiten. Leider findet der Film dann aber immer wieder zur gewöhnlichen Hollywood-Ästhetik zurück, Der Erfolg von "Syriana", "Valley of Elah" oder "The Good Shepherd" zeigt, dass Amerika politische Thriller wieder mag, jedoch einzig Brian De Palmas umstrittener Irakfilm "Redacted" konnte mit konzeptionellen Ideen und ästhetischer Radikalisierung ein wenig Leben in die Bruchbude von Hollywood zaubern.

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