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Sketches of Frank Gehry

USA, BRD 2005

DVD 84min

Standort

WestEnd Regisseure A-Z

Sprachen
Englisch   
Untertitel
Deutsch   
Regie
Sydney Pollack
Kamera
Sydney Pollack, Ultan Guilfoyle, George Tiffin, Marcus Birsel, Claudio Rocha
Musik
Claes Nystrom, Jonas Sorman
Produzent
Ultan Guilfoyle
Auftritt
Sydney Pollack, Dennis Hopper, Peter Lewis, Bob Geldof, Charles Arnoldi, Frank O. Gehry, Edward Ruscha
Schauspiel
Julian Schnabel
Empfohlen von
Mitarbeiter
Genre
Dokumentation
Stichworte
Biografie, Doku - Kunst & Kino, Doku - Lebensräume
Inhalt
Dokumentation über den Architekten Frank Gehry, dessen typisch dekonstruktivistische Bauten weltweit zu finden bzw. nicht zu übersehen sind, wie das Guggenheim in Bilbao, das Tanzende Haus in Prag oder der Gehry Tower in Hannover. Das Prinzip hinter den abgewinkelten Ebenen, gekippten Räumen und umgekehrten Formen ist das der gebrochenen Geometrie. Zurück geht eine solche Art des Bauens auf Architekten wie Bruce Goff ("Goff in der Wüste"), dem Huckleberry Finn der Architektur, der für eine Moderne jenseits des International Style steht, der mit verwegensten Materialien Häuser baute, wie Kinder ihre Hütten und sich allen Kompromissen des modernen Baubetriebs entzog.

Kommentare

4 Punkte von Susanne Schulz:
Frank Gehry. Ein Film über einen der populärsten Architekten – was erwartet man da? Bilder seiner Bauwerke in perfekter Auflösung. Stimmungsvolle Kamerafahrten entlang der skulpturalen Formen der Außenfassade des Guggenheim von Bilbao, vielleicht? Einblicke in das akkustische Wunder der Walt Disney Concert Hall? Fachliche Diskurse über Materialen, Methoden moderner Architektur, Urbanität? Gehry entschied, dass Sydney Pollack den Dokumentarfilm über ihn drehen sollte, den schon viele machen wollten, aber nie so hinbekommen hätten wie Pollack, obwohl dieser sich davor noch nie mit Dokumentarfilm auseinandergesetzt hatte. Interessanterweise kommt genau das Gehrys Arbeitsweise entgegen, ebenso wie seiner Mentalität: Aus fast naiven Skizzen und einem gewollt spielerischen Umgang mit Materialien entsteht ein Plan, der umgesetzt werden kann. Die Kontrolle bleibt bei ihm und alle die mitspielen wollen und dürfen, ordnen sich ganz selbstverständlich dem Mann unter, der mit seiner fast scheuen Bescheidenheit scheinbar Platz lässt für anderere Wege. In Wirklichkeit nutzt er, der Visionär, den Pingpong-Effekt des Austauschs um seine Ideen zu modifizieren. Wenn zwei zusammentreffen wie Gehry und Pollack, dann finden diese Abgleichungsprozesse auf gleicher Augenhöhe, wenn auch auf unterschiedlichen Gebieten statt. Der eine schafft reale Räume für Kunst, Gedenken, Konzerte und Leben, der andere imaginäre Räume für Geschichten. Beide arbeiten kreativ und in der obersten Liga. Sie kennen die dünne Luft ganz oben, die Angst zu Scheitern, den Willen zum Erfolg und die Einsamkeit derer, die letzte Entscheidungen zu treffen haben. Und sie vertrauen sich. So skizzieren die Momente die Pollack im Gespräch mit Gehry mit seiner kleinen DV-Kamera aufgezeichnet hat, etwas viel kraftvolleres als alle (ohne Frage aufschlussreiche) Interviews mit Weggefährten, Bewunderern und Gegnern und sämtliche auf 35 mm gedrehten Bauwerke miteinander: eine wahre Männerfreundschaft. Selten so berührend im Kino gesehen.

4 Punkte von Lars Tuncay:
Wenn man an einem Bau des Architekten Frank Gehry vorbei kommt, muss man zweimal hinsehen, denn Gehrys Bauten widersprechen in jeder Hinsicht den gängigen Formen, die sich ins Stadtbild fügen. Sie sind quer, schräg, rund, gewölbt, Aliens in ewigen Reihen von gleichförmigen Häusern. Trotzdem dienen sie dem Zweck: die ausladenden Glasflächen des Guggenheim Museum Bilbao sorgen für besonderes Licht in Ausstellungsräumen, die verwinkelte Holzdecke fängt den Klang in der Disney Concert Hall L.A. perfekt ein. Der Kanadier jüdischer Abstammung studierte in Kalifornien Architektur, bevor er Anfang der Achtziger begann, das Gelernte neu zu definieren. Seine destruktivistischen Bauten zeichnen sich durch eine ungewöhnliche Wahl der Materialien und Formen aus. Abgewinkelte Ebenen, kippende Räume, umgekehrte Formen und eine gebrochene Geometrie sind sein Markenzeichen und brachten ihm zahlreiche Preise ein. Die Dokumentarfilmer der Welt standen Schlange, um einen Film über den Star-Architekten zu drehen. Doch der lehnte ab und bat schließlich seinen Freund Sydney Pollack („Die Dolmetscherin“), ihn zu porträtieren. Dass Pollack eigentlich Spielfilmregisseur ist, sorgt für eine besonders charmante, persönliche Herangehensweise an den Menschen Gehry und seine Kunst. Neugierig auf den kreativen Prozess in der Entstehung der Bauwerke, begleitet Pollack seinen Freund mit der Digitalkamera und blendet auch sich selbst nicht aus dem Gefilmten aus. So entstand eine interessante Werkschau, die auch Raum für Privates lässt und uns das Genie Frank Gehry näher bringt. Pollack hat derweil Gefallen am Dokumentieren gefunden und inszeniert als nächstes eine Chronik der Präsidentschaftswahlen in Florida vor sieben Jahren.

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb