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Das jüngste Gewitter
Du levande

Frankreich, Dänemark, Schweden, Norwegen, BRD 2007

DVD 86min

Standort

WestEnd Komödie - Europa & Welt

Sprachen
Deutsch, Schwedisch   
Untertitel
Deutsch, Englisch   
Regie
Roy Andersson
Drehbuch
Roy Andersson
Kamera
Gustav Danielsson
Musik
Benny Andersson
Produzent
Pernilla Sandström
Schauspiel
Bengt C.W. Carlsson, Håkan Angser, Björn Englund, Rolf Engström, Elisabeth Helander, Gunnar Ivarsson, Leif Larsson, Jessika Lundberg, Jessica Nilsson, Olle Olson, Birgitta Persson, Kemal Sener
Awards
Nordic Council Film Prize
Empfohlen von
Martin, Mitarbeiter
Genre
Drama, Komödie
Stichworte
Schwarze Komödie
Inhalt
Skurrile, lakonische Komödie mit dramatischen Anklängen von Roy Andersson ("Songs from the Second Floor"), der wieder ein Panoptikum trauriger Gestalten zwischen grauem Alltag und wirren Träumen in Szenen setzt. Lange Plansequenzen und ausgefeilte Lichtdramaturgie täuschen darüber hinweg, dass der Humor doch oft wie vom deutschen Großmeister Loriot geklaut wirkt. Wer jedoch auf die Verbindung von Surrealismus und Slapstick steht, und sowieso nur noch "skandinavisch" schaut, darf unbekümmert zugreifen.

Kommentare

4 Punkte von Susanne Schulz:
Eine Frau kniet auf dem Boden und kann nicht aufhören um Vergebung zu bitten. Die Liste derer, die sie von Gott gerettet wissen will, ist endlos lang. Man ist peinlich berührt von ihrer naiven, verzweifelten Demut. Der Pfarrer muss sie fast aus der Kirche zerren, um endlich nach Hause gehen zu können. Doch welches Zuhause? Die Menschen in Roy Anderssons Filmen scheinen vom Leben ausgemergelt, aufgedunsen und beziehungslos. Folgen einem Strom, der sie in den Abgrund zieht. Sie werden von der Maschine Gesellschaft ausgespuckt und entsorgt. Trotzdem arbeiten sie hart daran eine Ordnung zu erhalten, einer Norm zu genügen. Wie schon in Songs from the Second Floor reiht Andersson Episoden aneinander, die teils alltäglich, teils phantastisch abstrus erscheinen und in einer Welt spielen, in der es keine emotionale Wärme gibt. Seine Figuren, die er hauptsächlich mit Laien besetzt, treffen aufeinander, verlieren sich und begegnen einander in einer anderen Situation wieder – kaum kann man sie auseinderhalten in ihrer offensichtlichen Erbärmlichkeit. Die theatralen, großartigen Sets wirken karg und kalt und sind in grünen, bläulichen und Grautönen gehalten und wenn doch einmal ein Strauß orangeroter Lilien auftaucht, wird dieser sofort von einer zuschlagenden Tür zerquetscht. Davor ein Mann der von seiner Angebeteten wieder einmal nicht erhört wird. Die Ausweglosigkeit die Andersson in (alp)traumähnlichen Geschichten stilisiert mag teilweise fast zynisch erscheinen, trotzdem spricht aus ihnen eine eigenwillige Form von Humor, Selbstironie und Melancholie, die in ihrer Mischung eine Stimmung kreieren, die Lust auf das Leben vermittelt. Auf Ausbruch aus dem selbstgeschaffenen Käfig aus Regeln, Werten und Selbstmitleid, die uns in innerer Erstarrung hält. Anderson lässt das wertvolle Familienporzellan zu Bruch gehen, die Militärparade gerät zur Farce und die romantische Liebe findet nur in einem vorbeifahrenden Zugwaggon statt, begleitet von einer Prozession von Menschen, die das Märchen von Außen betrachten. Sein finaler Blick gen Himmel lässt Unheilvolles ahnen. Trotzdem will man hoffen. Dass die roten Lilien einen Platz finden, der Zug anhält und ein glückliches Paar in die Welt hinaustritt, die Fliegerstaffeln vorbeiziehen. Auch wenn nicht, ist Anderson wohl der poetischste Prophet des Weltuntergangs.

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb