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Stuck

USA, Grossbritannien, Kanada 2007

DVD 82min

Standort

WestEnd DVD-Katalog/ Thriller

Sprachen
Deutsch, Englisch   
Untertitel
Deutsch   
Regie
Stuart Gordon
Drehbuch
Stuart Gordon, John Strysik
Kamera
Denis Maloney
Musik
Bobby Johnston
Produzent
Robert Katz, Jay Firestone, Ken Gord
Schauspiel
Stephen Rea, Russell Hornsby, Mena Suvari, Samuel Anderson, Wayne Robson, Rukiya Bernard, Lionel Mark Smith, Sharlene Royer, John Dartt, Martin Moreno
Genre
Horror, Thriller

Kommentare

4 Punkte von Inti:
Kein blitzendes Juwel, aber ein fies funkelndes Steinchen ist dieser kleine Film über die trivialen Abgründe der Menschlichkeit und den sich furchtbar gebärenden Egoismus, auch der "kleinen Leute", die die Verhältnisse im wahrsten Sinne des Marx'schen Frühwerks von ihren Mitmenschen entfremden. Opfer dieser Verhältnisse sind Tom und Brandi. Er, ein bankrotter Manager, der im Arbeitsamt gedemütigt, aus seinem Wohnloch geschmissen und zum Schlafen im Park genötigt wird; Sie, eine um den Erhalt ihres kärglichen Einkommens bemühte Krankenpflegerin, die um einer kleinen Karrierechance willen und unter der Fuchtel einer sie stets taxierenden, immer höheren Druck aufbauenden Chefin, zur Mörderin wird. Freitagabend geht Brandi trotz einer ihr aufgedrückten Samstag-Schicht in den Club, dröhnt sich zu und spielt die kleine "bitch" für ihren Drogen dealenden Freund. Aufgeputscht und telefonierend überfahrt sie Tom, der ob seines tierisch beschissenen Tages keinerlei Notiz mehr von der Außenwelt zu nehmen scheint. Doch Tom ist nicht tot, sondern steckt mit zerschmetterten Beinen und zerschnittenem Gesicht, den Scheibenwischer im Bauch, in Brandis Frontscheibe, die panisch und schockiert den Wagen aus der nächtliche Großstadt in die Vorortsiedlung lenkt und ihn mitsamt Opfer in der Garage versteckt. Doch damit nicht genug: statt dem Mann zu helfen lässt sie ihn zwölf Stunden in dieser Stellung im Auto schmoren, in der Hoffnung, die beim Wiedersehen erstarrte Leiche mit Hilfe ihres Freundes zu entsorgen. Denn der folgende Tag ist der alles entscheidende für ihren Aufstieg. Dass dieser ihr nicht gelingt ist wohl mehr als klar, denn zitternd und ständig mit den Bildern des schreienden und blutüberströmten Tom im Kopf, kann sie ihre Arbeit zwischen sabbernden, inkontinenten, dementen Senioren nicht erledigen. Außerdem kommt ihr Toms Überlebenswillen in die Quere, dem es tatsächlich gelingt unter Blut, Geschrei und Tränen aus dem Wrack zu entkommen und nach mehreren Versuchen, der sich in den Wahnsinn der seiner Tötung gesteigerten Brandi einzureden, dass sie ihn einfach gehen lassen möge, schließlich seine Rache vollzieht. Ja, die süße Mena Suvari! Krass ist es schon, dass sie nach der mich zuletzt beeindruckende Leistung als dauerbedröhnte Dealerin in "Spun", nun wieder eine so kaputte Figur spielt und das nicht schlecht! Die Rolle ist extrem angelegt und vermag nicht endgültig zu überzeugen, ebenso wie eben der ganze Plot einfach hingenommen werden muss - mit dem Verweis im Vorspann, dass er auf einer wahren Story basiere - aber tut man es, dann entfaltet sich wirklich ein Mikrokosmos der Abartigkeit. Stuart Gordon, Genrefans sicher als Regisseur des legendären "RE-Animators" bekannt, fährt nach einigen Jahren in der Versenkung, resp. mit wenig beachteten Filmen, einem wieder voll ins Gehirn. Der Film ist ein bedrückendes Kammerspiel um den Tod und die Menschlichkeit, die einfache Solidarität, einem verletzten Menschen, für dessen Schmerzen man sogar noch selbst die Verantwortung hat, zu helfen. Es ist wirklich quälend, wie es Tom ergeht, also nichts für empfindliche Menschen. Dabei meine ich eben nicht nur die (sparsam eingesetzten) Gore-Effekte, die den Realismus des Films ausmachen, denn ein Autocrash ist nunmal keine Kinderparty, sondern die gesamte Filmsituation in der man aus dem Sessel fährt und Brandi anschreien und Tom erlösen möchte. Wenn Intensität sonst oft nur ein flaches Füllwort ist, hier ist sie spürbar: Angst, Schmerz, Wut, Hass und das nicht in einem dumpfen Terrorfilm, sondern in eine trotz der scheinbaren Übertreibung, alltägliche Situation integriert. Glücklicherweise lockert Gordon den Film mit etwas Humor, bösem Humor, auf, aber ob man das Ende "happy" nennen kann, zweifle ich stark an. Stephen Rea, mir persönlich nur aus einigen Nebenrollen bekannt, spielt den Loser Tom wunderbar tragisch, lässt einen aber dennoch an seinen unbedingten Willen zum Leben glauben, auch wenn die Story eigentlich tief pessimistisch ist und sein Leben ein Scherbenhaufen. Erst als sein Gesicht mit ebensolchen übersäht ist, wendet er das Blatt. Ein starker Film!

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb