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Gomorrha

Italien 2008

DVD 131min

Standort

WestEnd Gangsterfilm

Sprachen
Deutsch, Italienisch   
Untertitel
Deutsch   
Regie
Matteo Garrone
Drehbuch
Matteo Garrone, Ugo Chiti, Massimo Gaudioso, Maurizio Braucci
Kamera
Marco Onorato
Produzent
Domenico Procacci
Literaturvorlage
Roberto Saviano
Stimme
Alda D'Eusanio
Schauspiel
Toni Servillo, Gianfelice Imparato, Salvatore Abruzzese, Salvatore Cantalupo, Italo Celoro, Marco Macor, Gigio Morra, Maria Nazionale, Carmine Paternoster, Ciro Petrone, Salvatore Ruocco, Bernardino Terracciano
Empfohlen von
Martin, Inga, Mitarbeiter
Genre
Drama, Thriller, Gangsterfilm
Stichworte
Mafia
Inhalt
Episoden aus dem Alltag in den Provinzen von Neapel und Caserta, die mehr oder minder fest in der Hand des organisierten Verbrechens sind, dem der Staat hilflos gegenüber steht. Mutiges und ambitioniertes Drama nach dem Roman von Roberto Saviano, der seit dem Erscheinen 2006 unter Personenschutz steht und seinen Wohnort permanent wechseln muss.(x)

Kommentare

4 Punkte von Lars Tuncay:
Es passiert selten, dass sich Filmemacher mit ihrer Kunst ernsthafter Lebensgefahr aussetzen. Mit der Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers des italienischen Journalisten Roberto Saviano begibt sich Regisseur Matteo Garrone auf dünnes Eis. Selbst wenn die Organisation und ihre Protagonisten hier nie direkt beim Namen genannt werden, so ist dem Zuschauer doch klar, um wen es sich handelt: die größte Mafiaorganisation des Landes – die Camorra. Dokumentarisch seziert der Film ihre familiären Strukturen und die zahlreichen kriminellen Facetten ihrer Handlungen. Aufstrebende Jungmafiosis, die einflussreichen Paten, deren Nachfolger gierig am Sterbebett lauern, unbedarfte Geldeintreiber im Kugelhagel und wirtschaftliche Verzweigungen, die weit in die Politik des Landes hinein ragen. Die Kamera ist dabei schmerzhaft nah dran und bildet unkommentiert die Recherchearbeit Savianos ab. Der steht mittlerweile unter staatlichem Personenschutz und muss um sein Leben fürchten. Mit dem Film wird seine Arbeit nun einem größeren internationalen Publikum zugänglich, nicht zuletzt gestützt durch die Auszeichnung mit dem Jurypreis in Cannes. Das Wagnis, tief in die Unterwelt hinab zu steigen, muss man dem Film hoch anrechnen. Dabei sieht man ihm gerne nach, dass er mit 137 Minuten doch ein wenig lang und übermäßig komplex geraten ist. Einen der erschreckenden Handlungsfäden, deren Verstrickungen auch bis zu uns reichen, auszulassen, wäre jedoch unverzeihlich gewesen.

5 Punkte von Björn Siebert:
50 Prozent der Geschäfte sind in Mafiahand, rund 4.000 Morde in den vergangenen 30 Jahren gehen auf das Konto der Camorra: Es ist ein düsteres Bild, das der Journalist Roberto Saviano in seinem Tatsachenroman „Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra“ (2006) von seiner Heimat Kampanien zeichnet. Das Buch, inzwischen weltweit zum Bestseller avanciert, rückte die Camorra, die vielleicht mächtigste - aber bis dahin dennoch eher unbekannte - kriminelle Organisation der Welt, ins Licht der Öffentlichkeit. Nun ist Matteo Garrones Verfilmung des Buches auf DVD erschienen. Er ist einer der wenigen Filme des Jahres 2008 den man lieber im Kino gesehen haben sollte und natürlich ein seltenes (italienisches) Highlight des routinierten Filmjahres. Gomorrha sieht sich a) in der Tradition vom Neo-Realismus und b) in der Tradition der aufgeklärten Mafia-Filme eines Damiano Damianis oder Elio Petris. Das ist natürlich die bester Tradition die man nur wählen kann, trotzdem ist seine im Inszenierung im besten Sinne modern. Er verzichtet auf bekannte Gesichter, keinen Franco Nero Verschnitt, dafür viele neue Gesichter und ein Imitat des jungen Robert de Niros. Ein gut gemachtes und durchaus ironisches Zerrbild, denn Garrones Referenzen sind hier immer klug aber auch dezent gewählt. Eine profane Liebe für amerikanische Mafia-Filme und ihre Gesten und Klischees scheint bei den Laiendarstellern immer durch, sie kommen nicht aus ihrer Haut raus, aber das bricht sich gut mit der Anti-Haltung der Inszenierung, der losen Form der Erzählstränge und dem aufklärerischen Gedanken den Garrones Sozialrealismus an den Tag legt. Der Film bietet Erkenntnis und legt politische und gesellschaftliche Strukturen der Mafia offen, dadurch verankert er sich im "Hier und Jetzt" und nicht in einer historischen Legende die die Mafia selbst bevorzugen würde. Somit stellt Gomorrha sich klar gegen Filme wie GoodFellas oder Scarface. Trotzdem kann man Gomorha seine Fähigkeit zum Genremuster nicht absprechen. Garrone hat das Unmögliche geschafft: Nämlich einen gewalttätigen, anti-mythologischen Gangsterfilm im Genremuster zu drehen und andererseits den Mythos Saviano in ein flammendes Sozialdrama zu überführen. So und nicht anders muss ein moderner Film aussehen.

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb