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Nord

Norwegen 2009

DVD 79min

Standort

WestEnd Komödie - Europa & Welt

Sprachen
Deutsch, Norwegisch   
Untertitel
Deutsch, Englisch, Norwegisch   
Regie
Rune Denstad Langlo
Drehbuch
Erlend Loe
Kamera
Philip Øgaard
Musik
Ola Kvernberg
Produzent
Brede Hovland, Sigve Endresen
Schauspiel
Anders Baasmo Christiansen, Kyrre Hellum, Mads Sjøgård Pettersen, Tommy Almenning, Marte Aunemo, Celine Engebrigtsen
Awards
Berlinale für Rune Denstad Langlo
Tribeca Film Festival für Rune Denstad Langlo
Empfohlen von
Mitarbeiter
Genre
Komödie, Drama
Stichworte
Roadmovie
Inhalt
Ein Neurotiker auf Off-Roadtrip in den norwegischen Norden. Mit vielen skurrilen und absurden Momenten angereicherter Selbstfindungstrip.

Kommentare

2 Punkte von Inti:
Bei der Vorführung auf der Filmkunstmesse im September 2009 war der Saal 1 der Schauburg (geschätzte 250 Plätze) beinahe restlos ausverkauft und der Film gewann schließlich den Publikumspreis. Warum nur? Schließlich wird hier keinerlei neue Story mit Versatzstücken aus dem skandinavischen Klischeekino erzählt. Finnen, Dänen, Schweden und eben auch Norweger reden wenig, trinken viel und gucken traurig in die weite weiße Landschaft, so auch hier und man fragt sich, ob die sich selbst wirklich auch so sehen. So etwas muss man nicht immer als „poetisch“ deklarieren, denn zur Poesie gehört auch ein Stoff, im Film Plot genannt, der hier wohl kurz auf der Toilette war. Es geht um den nicht gerade fröhlich aussehenden Jomar, der sein Dasein im Wärterhäuschen einer Skiliftanlage fristet, nachdem er aus irgendwelchen Umständen (Unfall?!) nicht mehr Skisportler sein kann und stattdessen kifft, säuft und seine Liftkarten verschenkt. Die örtliche Psychatrie hat auch keine Verwendung für ihn und so hört er auf den Rat seines besten Ex-Freundes Lasse, seine Ex-Freundin und ihren kleinen Sohn hoch im Norden zu besuchen, die ihn einst wegen Lasse verließ. Bei der Gelegenheit fackelt Jomar gleich mal seine Hütte ab, wie er es auch noch auf der Reise noch einmal tun wird und setzt sich auf sein Schneemobil. Zwischendurch macht er Rast bei zwei, drei komischen Gestalten, von denen es wohl viele jenseits des Polarkreises gibt. Leider wird keine von ihnen greifbar, sie alle bleiben episodisch, auch wenn die ein oder andere witzige Szene herausspringt. Dabei hätte der Film mit seinen bloß 70 Minuten noch genügend Zeit gehabt, mehr daraus zu machen. Schließlich kommt Jomar an und der Film zu seinem Ende, ohne dass die Chance zu weiteren Figurenzeichnungen genutzt wird. Was bei David Lynchs STRAIGHT STORY zu einem großartigen Stück Film geführt hat, die Visualisierung der Langsamkeit und Meditation im Gespräch, löst hier nur Gähnen aus. Aber es muss ja auch mal nicht so gelungene skandinavische Filme geben.

4 Punkte von Lars Tuncay:
Das norwegische Kino braucht nicht viele Worte, um sich auszudrücken. Meist reicht ein Close-Up auf die Gesichter der verschrobenen Figuren und alles ist klar. Jomar Henriksen passt da gut ins Bild. Der Hypochonder vegetiert in einer Skihütte in Norwegen vor sich hin. Gehemmt durch allerlei Phobien zieht er es vor, der Menschheit aus dem Weg zu gehen und hängt lieber daheim vorm Fernseher und kifft. Als er durch einen Brand in seiner Behausung dazu gezwungen wird, an die Luft zu treten, macht er sich kurzerhand zu seiner Ex und ihrem gemeinsamen Kind auf. Der Weg führt ihn quer durchs Land bis rauf in den höchsten Norden – auf Langlaufskiern. Auf der Reise begegnet er allerlei seltsamen Gestalten, oft einsame Typen, wie er selbst. So wird die Reise zum Selbstfindungstrip. In melancholischem Tonfall und Panoramabildern schneeweißer, nordischer Leere erzählt Rune Denstad Langlo in seinem Spielfilmdebüt ein herrlich ungewöhnliches Off-Road-Movie. Mit lakonischem Humor durchsetzt, ist „Nord“ ein von zahlreichen skurrilen Figuren bevölkerte Welt fernab der erzählerischen Hektik des Blockbusterkinos. Die Charaktere, allen voran der unbeholfene Protagonist, spielen sich mit Leichtigkeit in das Herz des Publikums. Kein Wunder, dass dieses filmische Kleinod schon zahlreiche Preise auf Festivals in aller Welt einheimsen konnte.

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb