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The Wrestler

USA, Frankreich 2009

DVD 105min

Standort

WestEnd Regisseure A-Z

Sprachen
Deutsch, Englisch   
Untertitel
Deutsch   
Regie
Darren Aronofsky
Drehbuch
Robert D. Siegel
Kamera
Maryse Alberti
Musik
Clint Mansell
Produzent
Darren Aronofsky, Scott Franklin
Schauspiel
Mark Margolis, Mickey Rourke, Marisa Tomei, Evan Rachel Wood, Ajay Naidu, Judah Friedlander, Vernon Campbell, Ernest Miller
Awards
BAFTA: Bester Hauptdarsteller für Mickey Rourke
IFP Independent Spirit Awards für Maryse Alberti, Mickey Rourke
Independent Spirit: Beste Regie für Darren Aronofsky
Toronto für Mickey Rourke
Venedig: Goldener Löwe für Darren Aronofsky
Empfohlen von
Martin, Mitarbeiter
Genre
Drama
Stichworte
Sport
Inhalt
Ein früherer, mittlerweile sowohl körperlich als auch seelisch völlig heruntergekommener Wrestling-Star erkennt die Grenzen seiner Existenz und versucht, sich ein normales (Berufs-)leben aufzubauen und sich mit seiner entfremdeten Tochter auszusöhnen, was ihm jedoch beides nicht so recht gelingen will. Genau beobachtetes, sehr eindrückliches Drama von Darren Aronofsky, in dem der hervorragende Hauptdarsteller Mickey Rourke, der als Künstler von vielen schon abgeschrieben war, mit gnadenloser Ehrlichkeit sich selbst in seiner Figur spiegelt.

Kommentare

4 Punkte von Björn Siebert:
Der Wrestler Randy „The Ram“ Robinson Ramzinski war in den 1980er Jahren ein gefeierter Star in Amerika. Rund zwanzig Jahre später steigt er immer noch zu ohrenbeteubender Heavy Metal Musik in den Ring. Aus den Arenen seiner Glanzzeit sind inzwischen jedoch kleine Turnhallen geworden, in denen drittklassige Kämpfe mit ebenso gealterten Stars von einst, wie dem „Ayatollah“, stattfinden. Jahre des Medikamentenmissbrauchs haben auch bei Robinson ihre Spuren hinterlassen, seine langen blondierten Haare können auch nicht mehr sein Hörgerät verdecken. Und doch kommen immer noch Fans zu seinen Auftritten und feiern ihn wie einst. Aronofsky erzählt dies als packende Loser-Ballade, die sich jedoch oft am Rande des Sentimentalen bewegt. Aronofsky vertraut auch weniger auf seinen grandiosen Star Mickey Rourke sonder mehr auch Kunsteffekte. Das geht dann manchmal so weit, das der lebende Fleischberg "The Ram" an der Wursttheke arbeitet und Abends zur Fleischbeschauung in ein Striplokal geht um sich Körper von Frauen anzusehen. Spätestens dann hat es auch der letzte amerikanische Hinterwäldler begriffen, worum es in dem Film geht. Auch die Formen der Grotesque funktionieren nicht so recht. Wenn "The Ram" die langen Korridore in der Fleischerei durchstreift wird, wie in den Tribühnengängen, lautes Geklatsche und gegröhle eingespielt. Das ist ziemlich unnötig. Wir können noch ohne Gehilfe gehen. Aber alles halb so wild, die Bilder, die Kamermann Alberti grobkörnig einfängt, sind wahres und modernes Kino. The Wrestler ist sicher ein Highlight des Jahres 2009, für fünf Punkte reicht es aber deshalb nicht, weil Aronofskys Drehbuch nur typisches "alternder Star am Abgrund" Kino ist und er keine Form der Erlösung für seinen Star aufbringen mag. Hätte der Film mehr zugelassen, wäre daraus wohl ein Meisterwerk geworden. Aronofsky hat daran gekratzt, immerhin, nach seinem grauenvollen und unterirdisch schlechten "The Fountain" ist er immerhin in der Spur zurück und mit ein wenig mehr Selbstbewusstsein in der Tasche kommt das Meisterwerk entweder als nächstes oder er dreht "The Fountain 2". Mickey Rourke hingegen ist der echte Gewinner dieser Schlacht, mit Würde, Ironie und viel Muskelkraft vereinnahmt er den Film und läßt trotzdem nicht zu das wir die ganze Zeit an seine Oscarnominierungen denken müssen. Der Film verweilt im Hier und Jetzt, hinterlässt nicht den Eindruck für ein Studio, als Abschreibungsobjekt oder für irgendeinen Markt oder ein bestimmtes Filmfestival entworfen zu sein. Er ist Kino wie Kino sein sollte.

5 Punkte von plug:
Ich kann meinem Vorredner in nahezu allen Punkten zustimmen: Aronofsky ist ein ein kleines Kinojuwel gelungen, welches ganz den alternden Mickey Rourke in der Rolle seines Lebens als alternden Wrestler in den Mittelpunkt stellt. Jedoch funktioniert der Film grandios in seinem Anspruch amerikanische Helden und deren Mythos (hier Wrestling) auf ihr Zusteuern in den Abgrund zu filmen. Denn diese Dekonstruktion und Demonatage eines Stars lässt sich nicht nur auf die Formel "alternder Wrestler", sondern auf die Gesamtgesellschaft mit ihren kaputten sozialen Bindungen und ihrer viel beschrieben "sozialen Kälte" metaphoriosch einordnen. Hier werden zugleich auch Heilligtümer liberaler Gesellschaften und deren Werte demontiert. Randys tollpatschige Annäherungen an seine vernachlässigte Tochter zeigen hier, ohne gekünstelte Tragödie, ganz klar, dass es um soziale Bindungen, um Freunfdschaft, Liebe und nähe geht. Randy, ganz der tragische Held, besitzt nichts von Alldem und am wenigsten hat er sein lebenslanges Kapital, seinen Körper unter Kontrolle. Die teilweise skurril wirkenden Bilder von alternden Wrestlern bei einer Autogrammstunde, die mit Krücken und Urinbeutel in den Tag leben, sind zwarvordergründig zum Schmunzeln, aber grundsätzlich abgrundtief traurig und mit Prise schwarzem Humor versehen. Aronofsky versucht im realistischen Segment zu bleiben und läst deswegen auch keine hollywoodtypische Offenbahrung und ein Happy End zu. So europäisch hat man amerikanische Regisseure selten erlebt. Jeder Dialog sitzt (jedem sei die Originalversion ans Herz gelegt), Randys sozialer Abstieg geht einher mit zarten Liebesbanden und der Zurückgewinnung seiner Tochter, insofern ist das zumindest ein wenig Versöhnung. Gerade Rourke steht im Mittelpunkt eines Dramas, die filmisch und montagetechnisch brillant gelöst wurde. Nähe, Realismus und dann eine der Schlüsselszenen: Der ehemalige Wrestler Randy soll nun an der Fleischtheke arbeiten, die Kamera begleitet ihn wie auf dem Weg zu einem Kampf, die Geräusche gleichen der einer Tribühne und dann bwei öffnen der Tür in den Verkaufsraum ist er plötzlich ganz klein, kein Star, nur ein Arbeiter, dem dieser Job ohne Jubel so gar nicht liegen mag. Insofern mag ich mich meinem Vorredner insofern nicht anschliessen, als das diesem Film ein Happy end oder Erlösung gut getan hätte, denn realistisch gesehnen hält das Leben ebend nicht nur Pralinen und kleine wunder bereit, sondern beutelt einen doch meistens ziemlich. Rourke und Marisa Tomei spielen sich um Kopf und kragen, so abgeklärt und foch fokussiert, dass einem oft diwe Kejhle vorrührung zuschnürt. Aronofsky hat sich wieder selbst nach dem verunglückten-schmierig-kitschigen The Fountain neu erfunden und mit diesem Biopic endlich den Durchbruch verdient.

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb