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Public Enemies

USA 2009

DVD, BLU 134min

Standort

WestEnd Gangsterfilm

Sprachen
DVD:, Deutsch, Englisch   BLU:, Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch   
Untertitel
DVD:, Deutsch, Englisch, Bulgarisch, Estnisch, Lettisch, Litauisch   BLU:, Deutsch, Englisch, Bulgarisch, Estnisch, Lettisch, Litauisch   
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Regie
Michael Mann
Drehbuch
Michael Mann, Ann Biderman, Ronan Bennett
Kamera
Dante Spinotti
Musik
Elliot Goldenthal
Produzent
Michael Mann, Kevin Misher
Literaturvorlage
Bryan Burrough
Schauspiel
Johnny Depp, Christian Bale, Marion Cotillard, Giovanni Ribisi, Lili Taylor, David Wenham, Carey Mulligan, Stephen Graham, Channing Tatum, Billy Crudup, Stephen Lang, Spencer Garrett, Domenick Lombardozzi, James Russo, David Warshofsky, Rory Cochrane, Branka Katic, John Ortiz, Matt Craven, Shawn Hatosy, Stephen Dorff, Don Harvey, Alan Wilder, Laurence Mason, Leelee Sobieski, Peter Gerety, Adam Clark, Christian Stolte, Diana Krall, John Judd
Genre
Kriminalfilm, Drama, Historienfilm, Thriller
Stichworte
Bankraub, Biografie

Kommentare

4 Punkte von Lars Tuncay:
Die Verbrechenswelle im mittleren Osten der Vereinigten Staaten Anfang der Dreißiger Jahre beschäftigte bereits zahlreiche Autoren und Filmemacher. Im Fokus stand dabei oft der König der Unterwelt Al Capone. Nur wenige Regisseure beschäftigten sich hingegen mit seinem legitimen Nachfolger John Herbert Dillinger. Dabei gilt er in seiner gerade mal 13 Monate kurzen Karriere, als der wahrscheinlich beste Bankräuber der Kriminalgeschichte. Zu Lebzeiten wurde er als Repräsentant der von Finanznöten geplagten Bevölkerung gefeiert. Michael Mann setzt ihm nun ein filmisches Denkmal, verzichtet dabei aber erfreulicherweise auf eine Stilisierung der Figur zum Helden.    Chicago 1933: das Land zerfällt und die Stadt erlebt ihre Blütezeit. Im dritten Jahr der Großen Depression regiert der Mob in der „Windy City“. Al Capone sitzt zwar hinter Gittern, doch sein Thronerbe John Dillinger (Johnny Depp) erweißt sich als würdiger Nachfolger. Keine Bank ist vor ihm und seiner Bande sicher. Kein Gefängnis hält ihn auf. Dillinger nimmt sich, was er will und er will alles – sofort. Dazu zählt auch die hübsche Billie Frechette (Marion Cotillard), die sich freiwillig auf ihn einlässt, obwohl er ihr von Anfang an nichts vormacht. Einige Jahre lebt Dillinger als König, doch dann beauftragt J. Edgar Hoover (Billy Crudup) den erfolgreichen Gangsterjäger Melvin Purvis (Christian Bale) damit, ihn zur Strecke zu bringen, um das Ansehen seines frisch formierten „Federal Bureau of Investigation“ zu steigern. In Purvis findet Dillinger schließlich einen ebenbürtigen Gegner.   Vierzehn Jahre nach „Heat“ inszeniert Michael Mann auch dieses Gangsterporträt als bleihaltiges Duell zweier Schauspielgrößen und der Coup gelingt aufs Neue. Dabei funktionieren die endlosen Schusswechseln und rasanten Verfolgungsjagden auch mit Trommel-MGs und Oldtimern. Mann orientiert sich an den Klassikern des Genres und verleiht ihnen seine eigene Note. Grandios auch die Bildgestaltung: kunstvoll ausgeleuchtete Sets und eingestreute Originalaufnahmen schaffen ein authentisches Bild der Zeit, als Amerika im Chaos versank. Die digitale Ästhetik, mit der Mann schon seit längerem experimentiert, steht der Optik des klassischen Zelluloids in nichts nach. Im Zentrum des spannenden Thrillers stehen zwei getriebene Gestalten, denen Johnny Depp und Christian Bale mit hoher schauspielerischer Intensität Gestalt verleihen.

2 Punkte von Björn Siebert:
Ein Versuch wars wert. Das Experiment: Wie sieht ein historischer Ausstattungsfilm in moderner Digitalästhetik aus? Funktioniert das? Michael Manns 10. Regiearbeit will untersuchen. Seine bildanalytischen Arbeiten im modernen Kino lassen sich nicht mal ebenso im vorbeigehen erklären, HDV, restlichverstärkte Bilder, Kontraste zum analogen Film. Die Idee des popkulturellen Historienfilms ist nicht neu. Die Tochter von F.F. Coppola hat sich daran zuletzt versucht, NASA-Kameras bei Barry Lyndon waren ebenfalls nicht zu verachten. Doch gerade der gefühlte echte Historismus verlangt die geschmeidigen Bewegungen des Zelluloid. Die Distanz, die das chemisch entwickelte Filmmaterial schafft, das rausschälen von Licht mittels Salzlösungen, das lässt den Zuschauer mit dem Gefühl zurück, in frühere Epochen regelrecht eintauchen zu können. Der moderne Fantasyfilm hat damit schon gebrochen. Nur, wer lässt sich wirklich von digital animierten Landschaften und Figuren überwältigen? Die besseren Beispiele sehen aus wie Fantasy immer schon ausgesehen hat, nämlich phantastisch (Ich meine das Wort nicht als Gütesiegel), die schlechteren Beispiele, wie George Lucas Star Wars Nachträge, sehen aus wie schlechte Computerspiele. Nun also versuch sich Michael Mann am Real-Historienfilm. Und meiner Meinung nach erleidet er Schiffbruch. Ich habe den Film noch nicht auf DVD gesehen, aber auf der großen Leinwand stört die eigenartige Digitalästhetik enorm, schafft eine permanente Distanz und hinterlässt dadurch eine eigentümliche Leere. Da auch die beiden Hauptdarsteller mehr als schlecht ausgesucht sind (Gerade Johnny Depp Stargesicht kann der digitalen Wackelkamera nichts entgegenstellen) wird hier kein Krieg gewonnen. Um dieses Experiment stimmig zu machen hätte es wohl junges Blut auf der Leinwand bedurft. Über die Story muss man, wie bei jedem Film von Mann, nicht viel reden: Mann ist der ewige Chronist des sich ständig wiederholenden Duells zwischen Cops und Gangstern. Mann gehörte in Hollywood zu den frühen Verfechtern digitaler Technik. Mit "Collateral" und vor allem "Miami Vice" hat der detailverliebte Technokrat die Neonästhetik seiner Achtzigerjahre-Arbeiten scheinbar bruchlos in die Neuzeit überführt. Umso verstörender das neue Resultat: In "Public Enemies" ist von dieser Pracht wenig geblieben. Das Auge kommt nicht mit, die Bilder sind so gestochen scharf, dass man von Hyperrealismus reden muss, der sich allerdings nur in der Bildmitte fokusiert. An den Seiten wirkt das Bild seltsam verwaschen und ausgebrannt. Als Referenz darf das alten analoge 35-mm-Material, mit seinem hohen Kontrastumfang hier nicht mehr angesehen werden. Wo andere Regisseure mit der neues Digitaltechnik versuchen die Raumtiefe des Analogbildes zu simulieren, haben sich Michael Manns Digitalbilder verselbständigt und attakieren die Story, die Schauspieler und die Ausstattung mit ihrer aufdringlichen Nähe. Der Zuschauer findet dabei niemals wirklich ins Bild. Nein, "Public Enemies" ist als Experiment nicht geglückt, hier sehen wir keinem Filmemacher beim erforschen neuester technischer Möglichkeiten zu. Ein dahingeworfener Film, oft schludrig selbst im Ton (die [frühere] zweite Domäne Manns) und als Gangsterfilm sowieso nur Standardware.

5 Punkte von lockedroom:
DAS nenne ich mal einen Mainstreamfilm mit hohem Unterhaltungswert. Eine wirklich fesselnde, klar erzählte Geschichte ohne übertriebenen und unnötigen Firlefanz, dafür mit hohem Authentizitätsfaktor (das Ganze basiert ja auf wahren Begebenheiten und wurde teilweise an Originalschauplätzen gedreht, wo man bis heute die echten Einschußlöcher nicht wieder zugegipst hat!) und einer sehr, sehr ästhetischen Bildsprache. Dazu kommen Akteure, denen ihre Rollen wahrhaftig auf den Leib geschneidert worden sind...und das ohne Ausnahme. Ganz großer Film und: Unbedingte Empfehlung!

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb