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Inglourious Basterds

USA, BRD 2009

DVD 147min

Standort

WestEnd Regisseure A-Z

Sprachen
Deutsch, Englisch, Türkisch   
Untertitel
Deutsch, Englisch, Türkisch   
Regie
Quentin Tarantino
Drehbuch
Quentin Tarantino
Kamera
Robert Richardson
Stimme
Samuel L. Jackson, Harvey Keitel
Schauspiel
Brad Pitt, Til Schweiger, Daniel Brühl, Michael Fassbender, Christoph Waltz, August Diehl, Jana Pallaske, Diane Kruger, Sylvester Groth, Ludger Pistor, Mélanie Laurent, Mike Myers, Christian Berkel, André Penvern, Arndt Schwering-Sohnrey, Alexander Fehling, Volker Michalowski, Eli Roth, Ken Duken, Martin Wuttke, Bo Svenson, Julie Dreyfus, B.J. Novak, Rod Taylor, Bela B. Felsenheimer, Gedeon Burkhard, Sebastian Hülk, Richard Sammel, Guido Föhrweißer, Petra Hartung, Wilfried Hochholdinger, Jacky Ido, Hilmar Eichhorn, Sönke Möhring, Michael Bacall, Christian Brückner, Enzo G. Castellari, Noemi Besedes, Buddy Joe Hooker, Omar Doom
Genre
Drama, Historienfilm, Abenteuerfilm, Action
Stichworte
2. Weltkrieg, Film im Film, Epos, Dystopien, Gangs, Emigration, Agenten, Historische Einordnung, Hollywood, Judenverfolgung, Kriegs-/Antikriegsfilm, Nationalsozialismus, Rassismus, Aufstand / Revolte / Rebellion, Serial Killer, Spionage, Spionagefilm, Theater, Tod, Wahnsinn
Inhalt
Eine Spezialeinheit von amerikanischen Juden räumt im naziinfizierten Frankreich auf. Glänzend besetztes Remake mit typischem Tarantino-Touch.

Kommentare

5 Punkte von Inti:
„Ich find’ den Kerl total ekelig – bah – den konnt’ ich noch nie leiden..!“ Ziel dieser Beschimpfung ist der österreichische Mime Christoph Waltz, dessen Auftritt in Tarantinos „INGLOURIOUS BASTERDS“ der Autor soeben gegenüber einer Freundin ausführlich gelobt hat. Es mag sein, das Waltz solcherlei Gefühle sui generis erregt, verdient hat er es auf jeden Fall nicht, oder doch? Ist es nicht gerade die Erregung eines tiefsitzenden und lang andauernden Ekels, die die Rollenauswahl und schauspielerische Intensität eines Christoph Waltz offensichtlich geprägt hat? Leider durfte der österreichische Ausnahme-Mime zumindest auf der großen Leinwand nur selten seine Kunst zeigen, war er doch vorrangig in, wenn auch sehr gelungenen, TV-Produktionen zu sehen, wie 2002 in dem Zweiteiler „TANZ MIT DEM TEUFEL“, in der er all seine diabolische Wirkung in der Darstellung des Entführers des Lebensmittelmagnaten Oetker entfaltete. Bei der Einladung zum Casting für den neuen Tarantino machte er sich keine großen Hoffnungen, schließlich wurde doch nur ein schnarrender Nazi gesucht, auf dessen Darstellung deutsche Schauspieler in den USA nur allzu gern festgelegt werden. Dass er dann aber doch die interessanteste Figur in diesem schrägen Karussell spielen würde, war eine Überraschung und in dieser Konnotation bleibt sie es auch für den Zuschauer, denn niemand anderes könnte, besser: dürfte, diese Rolle spielen. Wer war nochmal Heath Ledger? Nein, das ist unfair und unprätentiös, schließlich kann der nach seinem famosen Auftritt neben der Fledermaus keinen mehr draufsetzen, aber wenn man – ganz nüchtern – seinen Auftritt als die ultimative Dämonie qualifiziert hat, welches Vokabular bleibt dann noch für Waltz? Waltz ist Hans Landa, der „Judenjäger“, der sich in diese „Ratten“ (O-Ton Landa) einzufühlen vermöge, im Gegensatz zu den allzu plumpen Landsern, die als „Falken“ doch nur die Oberfläche abzusuchen imstande wären. Er aber wisse, wo sich die fiesen Nager, gegen die doch eine Art angeborener Abscheu, entgegen jeglicher Rationalität bestehe, verstecken würden. Das habe ihm seinen im Nazi-Kontext ehrenhaften Beinamen eingebracht. Solcherlei quälendes und gleichzeitig gefangen nehmendes Geschwätz tauscht der SS-Oberst mit einem französischen Bauern aus, vor, während und nachdem er ihm Informationen über den Verbleib der jüdischen Milchbauernfamilie Dreyfuß zu entlocken versucht. Unendliche 20 Minuten dehnt sich die Prozedur, die umso schlimmer wird, als der Zuschauer weiß, was auf dem Spiel steht und er dennoch mit ansehen muss, wie sich Landa gemütlich eine grotesk große Pfeife am Esstisch anzündet und seine Ergüsse weiter über den innerlich bebenden Bauern ausschüttet. Tarantino nimmt sich Zeit, um perfide mit Empfindung und Erwartung des Publikums zu spielen, nur um schlussendlich mit aller Grausamkeit zuzuschlagen. Nach diesen Minuten, die allein schon sämtliche Rollenoscars der letzten Dekade nur für Waltz in Frage kommen lassen, weiß man den gesamten Film hindurch nie mehr, wann man lachen oder weinen oder schreien oder klatschen sollte. Das Kontrastprogramm zum überaus intelligenten und kultivierten Massenmörder bilden die nun eingeführten „Basterds“, eine Truppe jüdischer US-Soldaten, die unter dem Kommando Lieutenant Aldo Rains (Brad Pitt) 1944 im besetzten Frankreich landet, um im „Nazi-killing business“ aktiv zu werden. Hier wird nicht lange gefackelt, sondern die angepeilte Menge von 100 Nazi-Skalps pro Soldat fleißig abgearbeitet. Geredet wird nur, wenn es um die Sicherheit der Aktion geht und wenn das Gegenüber nicht willig ist, so wird er kurzerhand vom „Bärenjuden“ per Baseballschläger in ein schreiendes Fleischbündel verwandelt, eine Rolle, die Hostel-Schöpfer Eli Roth - geübt in nicht allzu originellen, dafür umso blut- und safttriefigeren Metzelfilmchen – offensichtlich mit einigem Spaß an der Sache ausfüllt. Mithilfe des englischen Secret Service sollen die Basterds ein Kino in die Luft jagen, und zwar nicht, weil sich da ein paar lokale Armstrecker einen schönen Abend machen wollen, sondern weil die gesamte erste Riege Deutschlands auflaufen wird, um der Premiere von „Stolz der Nation“ beizuwohnen – einem 90 minütigen Scharfschützengemetzel mit Daniel Brühl, basierend auf seinen soldatischen „Heldentaten“ in Italien, wo er auf einem Turm eingekesselt in drei Tagen beinahe 300 Mann die Schädeldecke runtergeschossen hatte. Goebbels will sich mit diesem Film endgültig als großer Regisseur zeigen und ist auch zu Tränen gerührt, als ihn der Führer nach endlosem Gekicher und Gelache väterlich die Schulter klopft und das Machwerk als sein Bestes lobt, wodurch dem dümmlichen Rheinländer leis’ die Tränen kullern. Dummerweise dupliziert sich der Plan, denn auch die Besitzerin des Kinos, die unter falschen Namen in Paris lebende Shosanna Dreyfuß (Mélanie Laurent), vor drei Jahren den Kugeln von Landa’s Schergen entkommen, plant mit ihrem Geliebten Marcel das Kino durch Entzündung aller im Lager befindlichen Filmrollen in die Luft zu jagen.

3 Punkte von Björn Siebert:
Inglourious Basterds, Quentin gegen die Nazis, so heißt das Buch vom deutschen Filmkritik-Guru Georg Seeßlen über Tarantinos filmische Kriegserklärung. Wie darf ein Film übers dritte Reich aussehen, muss er moralisch einwandfrei sein, so wie das kitschige Spielberg-Drama Schindlers Liste? Eins scheint klar: Eine verlässliche Formel lässt sich nicht finden, weil Verlässlichkeit immer gleich Gewöhnung und Akzeptant impliziert und welcher Regisseur will sich schon im gewöhnlichen Kriegskitsch gemütlich einnisten? Gerade bei den unglaublichen Zahlen von Kriegstoten und der Ungeheuerlichkeit des Holocausts. Nein Gemütlichkeit und klare Regeln wären bei einem Film über Nazis die reinste Schande. Demnach darf man sich über die Diskussion, die Tarantions letzter Film entfacht hat nur wundern. Doch was gibt es auf der Haben-Seite eigentlich zu verbuchen? Nun erstens: Wir haben einen Juden-Rächer-Film als Geschichtsverwirrung mit coolen Sprüchen und sleaziger Gewalt. Seeßlen und das Kinopublikum finden das bahnbrechend, ich bin mir da nicht so sicher. Zweitens: Wir haben die postmoderne Interpretierbarkeit. Sicher kann man schon allein 120 Seiten damit füllen, die Zitate und Verweise die Tarantino wieder aus dem Ärmel geschüttelt hat, offenzulegen und fachmännisch zu interpretieren. Klar das geht: Große Einstellungen als Hommage an die filmische Qualität von Sergio Leones Western, Namen von alten 70er Italo-Film-Legenden. Aldo Lado, Umberto Lenzi, Enzo G. Casstelari? Ja, das waren noch Zeiten. Ganz sicher handelt Tarantinos Ruhm vom Missverständnis oder vielleicht auch dem Brückenschlag zwischen Pulp und Cannes, ganz wie man es sehen möchte. Aber genau da hat er sich eingenistet, ganz gemütlich. Da stellt sich die Frage: Wäre früher ein Casstelari Film nach Cannes eingeladen wurden? Hätte man einen Schauspieler aus einen italienische Gilallo für den Oscar nominiert? Warum wurden Dario Argento, Umberto Lenzi und Mario Bava nie mit einem ernsten Filmpreis ausgezeichnet? Die Cineasten und Cannes-Liebhaber lieben Tarantino einfach weil er so andersartig ist, die Fans von Hollywood-Krach können alle 3 Jahre mal entspannt einem Regie-Künstler zuschauen und danach ruhig schlafen weil man nun auch endlich was von Filmkunst versteht. Aber es ist trotzdem ein Missverständnis, dass hauptsächlich darin besteht, dass es sich alle Beteiligten viel zu einfach machen. Die meisten nehmen sich einfach nicht die Zeit die echten Trash-, Exploitation-, Underground-, Porno- und C-Film-Perlen zu sichten. Wer einmal die Ilsa-Reihe oder den originalen Inglourious Basterds gesehen hat muss sich bei Tarantinos ausuferndem Film doch zwangsläufig langweilen. Als Komödie nicht witzig genug, als Sleazer-Film viel zu langatmig, als Drama viel zu dahingerotzt als Trash viel zu anständig und als Skandal viel zu nichtig. Unterm Strich bleibt ein mittelmäßiger Unterhaltungsfilm mit einem trotzdem großartigen Christoph Waltz.

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb