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Wendy und Lucy
Wendy and Lucy

USA 2008

DVD 80min

Standort

WestEnd Regisseure A-Z

Sprachen
Englisch   
Regie
Kelly Reichardt
Drehbuch
Kelly Reichardt, Jonathan Raymond
Kamera
Sam Levy
Produzent
Neil Kopp, Larry Fessenden, Anish Savjani
Schnitt
Kelly Reichardt
Schauspiel
Michelle Williams, Will Oldham, John Robinson, Will Patton, Larry Fessenden, Deirdre O'Connell, Winfield Jackson, Gabe Nevins, Tanya Smith,  Lucy
Genre
Drama
Inhalt
Karg inszeniertes Drama um eine junge Frau auf dem Weg nach Alaska und ihren Hund, der verloren geht. Subtile Verarbeitung von Trauer, kurz, prägnant und lebensnah.

Kommentare

5 Punkte von Susanne Schulz:
Sie dringen von überall zu uns vor, die Debatten über gefühlte oder tatsächliche Krisen und den Wert des Menschen im Kontext seiner Arbeit. Führen unweigerlich zum Einkommen, dem Geld, mit seiner Ausschlussfunktion – hast du es, kannst du es je nach Laune ausgeben oder sparen, hast du es nicht, musst du Wege finden, wie du trotzdem weiterkommst. Wendy Carroll hat nur noch 525 Dollar und einen weiten Weg vor sich. Sie will mit ihrem Hund Lucy nach Ketchikan in Alaska, um dort mit einem Sommerjob in der Fischerei Geld zu verdienen. Dann bleibt ihr Auto auf einem bewachten Parkplatz in Oregon liegen. Von dieser sehr übersichtlichen Situation ausgehend inszeniert Kelly Reichardt die Essenz dessen, was passiert, wenn du absteigst. Dabei ist es nicht der tatsächliche soziale Abstieg der interessiert. Wendy wird von der Filmemacherin nicht erkennbar einer „Schicht“ zugeordnet, sie ist einfach eine junge Frau, die Geld braucht. Sie könnte ihr Studium abgebrochen haben oder eine Lehre als Tischlerin. Sie könnte gerade von ihrem Freund verlassen worden sein, oder einfach jemand, der nicht so viele Leute um sich braucht. Alles ist denkbar. Was diesen Film so großartig macht ist, dass er die Essenz eines Gefühls vermittelt, welches langsam mit jeder gesehenen Minute in den Magen kriecht – die Angst zu Verlieren, angreifbar zu werden. Das eine falsche Entscheidung, ein Schicksalsschlag dein Leben aus der Bahn werfen kann und das die Konsequenzen nur dich ganz persönlich treffen werden. Denn verglichen mit dem Elend der Welt ist es keine Tragödie, wenn dein Hund wegläuft, du wegen Schwarzfahrens und keinem Ausweis dabei die Bekannschaft mit der Polizei machst und aus Geldmangel deine abendlichenVerabredungen einschränkst. Nur werden diese vielen kleinen, nur von dir erspührten Niederlagen dazu führen, dass du dünnhäutiger wirst. Ein Zeitgeistphänomen. Wendy gerät in diese Spirale, in der eines zum anderen führt. Doch Reichardt lässt offen, ob sie daran wachsen oder scheitern wird. Nüchtern, ohne falsche Hoffnungsmusik und trotzdem mit Empathie gefilmt, macht Reichardt ehrliche Lust auf Gespräche. Ganz spontan: Was macht Mangel? Kann Reichardt von ihren Filmen leben? Ist es die reduzierte, fast dokumentarische Filmsprache, die die ökonomische Situation der Protagonistin am besten „trifft“? Wo sind wir zu Hause?

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb