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Psycho
Psycho

USA 1998

DVD 104min

Standort

WestEnd Regisseure A-Z

Sprachen
Deutsch, Englisch   
Untertitel
Deutsch, Englisch, Niederländisch, Polnisch, Tschechisch, Dänisch, Finnisch, Hebräisch, Norwegisch, Schwedisch   
Regie
Gus van Sant
Drehbuch
Joseph Stefano, Robert Bloch
Kamera
Christopher Doyle
Musik
Bernard Herrmann, Rob Zombie
Produzent
Brian Grazer, Dany Wolf
Schauspiel
Julianne Moore, Viggo Mortensen, William H. Macy, Vince Vaughn, Anne Heche, Robert Forster
Genre
Thriller
Stichworte
Remake
Inhalt
Exaktes Remake des bahnbrechenden Hitchcock-Klassikers von 1960 in Farbe. Zwar ein durchaus unterhaltsames Dejavu-Erlebnis, ansonsten ein zu Recht umstrittenes Unterfangen. Auch die Schauspieler bleiben, außer William H. Macy als Detektiv Arbogast, eher blaß.

Kommentare

1 Punkte von Liv:
Wenn man ein Remake von einem Klassiker macht, muss das Remake den Vergleich mit dem Klassiker standhalten können: Gus van Sant unterliegt in allen Kategorien. Psycho 1998 entspringt so halb der Videoclip-Generation, so halb der Hommage an Hitchcock. Nur hat van Sant Psycho dabei nicht neu erfunden, im Gegenteil hat er einfach die alten Einstellungen genommen und mit o.g. Zeitgeist neu gedreht. Einfach ein bisschen bunter alles. Allerdings merkt man nach 2 Minuten, dass van Sant in diesem Film die inszenatorische Klasse von Hitchcock fehlt bzw. es ist doch wohl eine äußerst idiotische Idee, den Stil eines Regiesseurs nachahmen zu wollen. Das kann doch nicht funktionieren, und das müsste so ein erfahrener Mann wie Gus van Sant doch eigentlich wissen. Wie gesagt, der Film funktioniert nicht: nix Suspense oder ähnliches. Überflüssig, bis auf Vince Vaughn, der keine schlechte Figur macht, allerdings an das muttersöhnchenhafte des Originals aber nicht heranreicht. Forget this film! Werft ihn aus euren Regalen! Macht Platz für bessere Filme!

4 Punkte von Björn Siebert:
Der Film Psycho 1998 ist eine (fast) originalgetreue 1:1 jedoch farbige Appropriation von Hitchcocks Meisterwerk Psycho und wirkt wie eine filmkundliche und kulturhistorische Lektion. Wenn Menschen der neunziger Jahre z.B. machen, was Menschen der 50er Jahre machten, ergibt dies ebenso einen merkwürdigen Verfremdungseffekt, wie der Gebrauch der Farbe in Bildkompositionen, die ihre Schwarzweiß-Ästhetik noch beinhalten. Gus van Sant versucht dabei, die altmodischen Bauten und die irrealen Farben von vornherein von einem neuen Realismus abzusetzen. Paradoxerweise scheitert sein Versuch an der Weiterentwicklung der Filmtechnik und – sprache. Auch die Musik von Bernhard Herrmann wurde von Danny Elfman zugleich respektvoll und leer adaptiert. Aber ist dieses Unternehmen etwa absurder als der Versuch, einen Film in einer einzigen Einstellung (Hitchcocks "Rope") zu drehen? Van Sant ist in seiner negativen, rein formalen Nostalgie wahrscheinlich am radikalsten hitchcockianisch – und beweist doch zugleich, dass dies zu nichts besonderem führt. Der einzige Merwehrt ist das Scheitern Gus van Sants, aber wünscht man das einem Menschen? Gerade auch dann wenn man davon ausgehen kann, dass van Sant dieses Scheitern wohl wissentlich in Kauf genommen hat? Ein reines Himmelfahrtskomando. Mutig, sinnlos, Filmgeschichte.

1 Punkte von Stefan Senf:
Das gewisse Maß an Aufmerksamkeit, das dieser Film verdient und bekommen hat, erinnert an die Aufmerksamkeit, die der nackte Mann erhielt, der 1974 die Oscar-Verleihung störte: Er ging in die Filmgeschichte ein, indem er (wie David Niven sarkastisch bemerkte) seine Mängel offen zeigte und etwas absolut Sinnloses tat. Diese Sinnlosigkeit sicherte ihm eine Fußnote, nicht etwa, dass das Dargebotene von irgendwelchem Wert war. Eine solche Fußnote ist auch dieses Machwerk, dass wie kein anderes beweist, dass ein Meisterwerk ebenso wenig zu kopieren und zu durchschauen (!) ist wie eine menschliche Seele - weil in ihm menschliche Seele steckt. Egal, wie genau Van Sant das Original kopierte - das gewisse Etwas, das nun gerade Meister wie Hitchcock ausmacht, war nicht zu kopieren. Überdies legte er noch eine erschreckend armselige Grundkenntnis an den Tag - die Bildkomposition eines s/w-Filmes erfüllt nun mal ganz andere Voraussetzungen als die eines Farbfilmes, so dass selbst bei genauer Nachahmung nichts mehr stimmt. Von Farbdramaturgie ist hier absolut nichts zu finden, jeder Harry-Potter-Film ist mehr darauf bedacht. Den subtilen Schauspielleistungen (Janet Leigh!) des Originals setzen ihre Ebenbilder (?) nur Schmiere entgegen (man möchte sich wie Anne Heche an den Kopf greifen) - dort, wo Van Sant ausnahmsweise mal vom Original etwas abweicht, tut er es zum Schaden (worin wohl die eigentliche Tragik liegt). Fazit für mich: Einer der überflüssigsten Filme und einer der dümmsten überhaupt - dümmer als Haudrauf-Klopper der 80er, denn die wollten nie etwas anderes sein als sie sind.

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb