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Der Diktator
The Dictator

USA 2012

DVD, BLU 83min

Standort

WestEnd Komödie - Hollywood

Sprachen
DVD:, Deutsch, Englisch   BLU:, Deutsch, Englisch   
Untertitel
DVD:, Deutsch   BLU:, Deutsch   
Regie
Larry Charles (I)
Drehbuch
Sacha Baron Cohen, Alec Berg, David Mandel, Jeff Schaffer
Kamera
Lawrence Sher
Musik
Erran  Baron Cohen
Produzent
Scott Rudin, Sacha Baron Cohen, Alec Berg, David Mandel
Schnitt
Greg Hayden, Eric Kissack
Schauspiel
Ben Kingsley, Sacha Baron Cohen, John C. Reilly, Anna Faris, Kevin Corrigan, B.J. Novak, Megan Fox, Jim Piddock, Aasif Mandvi, Adeel Akhtar, Fred Melamed, Erick Avari, Tony Joe, Loukas Papas, Sean Grady, Bobby Lee, Mohamed Alshami, Daniel Burress, Jaiden Kaine
Genre
Komödie
Stichworte
Satire, Politik, Entführung, Doppelgänger
Inhalt
Admiral-General Aladeen (Sacha Baron Cohen) aus dem nordafrikanischen Staat Wadiya geht auf PR-Tour in Sachen Atomprogramm. Doch im UN-Hauptsitz in New York kommt er nie an. Putschisten haben ihn entmachtet, seines Rauschebartes beraubt und einen Doppelgänger auf den Thron gesetzt. Ausgerechnet bei Zoey (Anna Faris), einer Politaktivistin und Betreiberin eines veganen Öko-Ladens, findet er Asyl.

Kommentare

3 Punkte von vero:
Sacha Baron Cohens pfeifft nach "Borat" und "Brüno" auch in seinem neuesten Film angenehm wohltuend auf politische Korrektheit und erschafft damit eine politischen Kommentar, den man sich in dieser Schärfe im deutschen Film nach wie vor nicht gertrauen würde. Denn die Hauptfigur seines Filmes - der Diktator Aladeen des Phantasiestaates Wadiya - reiht sich nicht nur in das Genre der Diktatorenkomödie ein, an dem sich viele große Filmemacher bereits vor ihm versucht haben (zu nennen sind hier Charlie Chaplins Klassiker "Der große Diktator", Woody Allens "Zellig", Dani Levys wenig gelungene Hitler-Satire "Mein Führer" oder auch Quentin Tarantinos "Inglorious Basterds",...). Darüber hinaus trägt Cohens Diktator-Figur eindeutige Züge islamistischer Diktatoren in der arabischen Welt und greift damit brandaktuelle außenpolitische Konflikte auf. Der Film hat große Momente: Etwa der, in dem Herrscher Aladeen seinem Volk in einer Rede glauben machen will, dass er das entwickelte Atomwaffenprogramm ausschließlich zu humantiären Zwecken zu verwenden gedenke und sich dabei selbst das Lachen kaum verkneifen kann, so wenig glaubt er selbst an dieses Ammenmärchen. Hier wird mit dem vereinfachenden und überzeichnenden Bild der Satire das seit Jahren von Seiten des Iran betriebenen Katz-und Mausspielchen mit der westlichen Welt benannt, stetig an der Entwicklung eines Atomwaffenprogramms zu arbeiten, das zugleich und paradoxerweise als harmlos deklariert wird. Auch die stetige Gutgläubigkeit des Westens entlarvt der Film in klaren Szenen: Die Polit-Aktivistin Zoey, an die Aladeen bei seiner New York-Reise zufälligerweise gerät, ist eine vortreffliche Karrikatur des Umgangs des Westens mit diktatorischen Regimen: Während sie stolz und phrasenhaft die Programmatik ihres eigenen Eine-Welt-Ladens runterrattert (antirassistisch, feministisch, nachhaltig...), übersieht sie beflissentlich in ihrem Gutmenschentum, dass der "arme Flüchtling", für den sie Aladeen fälschlicherweise hält, einen menschenverachtenden Spruch nach dem anderen reißt und in Wahrheit der weltweit geächtete Diktator ist. All dies sind entlarvende Momente, die den Zuschauern ein befreiendes Lachen zu entlocken vermögen, weil sie nicht vor klaren Benennungen von aktuellen politischen Gefahren zurückschecken. Daneben bleibt einem in einigen Szenen auch das Lachen im Hals stecken, etwa wenn Aladeen zum gefühlt hundertsten Mal mit dezenter Geste seinem Gefolge zu verstehen gibt, dass eine ihm unliebsame Person geköpft werden soll. Durch diese verschiedenen Spielarten des Lachens werden viele Register der politischen Satire gezogen. Leider provoziert der Film aber auch in mehreren Szenen ein Lachen, das eine Verharmlosung der politischen Verhältnisse ermöglicht. Denn die meiste Zeit wird Aladeen als nicht ganz ernst zu nehmender Trottel gezeichnet, der intelligenzmäßig nicht ganz auf der Höhe ist. Z.B. erfährt Aladeen in einer Szene, die von ihm willkürlich verhängte Todesstrafe sei niemals ausgeführt worden und alle Verurteilten lebten mittlerweile glücklich im Exil, weil der von ihm angestellte Henker ein Mitglied des Widerstands sei. Ganz anders wird etwa in der großartigen britischen Komödie "Four Lions" über vier islamistische Attentäter mit der realen Brutalität islamistischer Fundamentalisten umgegangen: Der Film endet nicht mit einer positiven Wendung, einem Happy End, sondern am Schluss sprengen sich alle tatsächlich in die Luft. Der Zuschauer verlässt mit unbehaglicher Beklemmung den Kinosaal. Höhepunkt der verharmlosenden Elememente in "The Dictator" ist die Psychologisierung Aladeens: Wenn in einigen Szenen sein Größenwahn mit seinen Potenzproblemen in Verbindung gebracht wird und er abends einsam in seinem riesigen Bett liegt, könnte man fast Mitleid bekommen. Auch dass er - angeregt durch Zoey, in die er sich schließlich verliebt - eine Läuterung erfährt, verleiht ihm menschliche Züge und verwischt die politische Klarheit, die der Film an den genannten Stellen an den Tag legte. Das ist schade und deshalb kann ich ihm - trotz seines beißenden Witzes und seinen vielen genialen Einfällen - nur 3 Punkte geben.

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