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Die Klavierspielerin
La pianiste

Frankreich, Österreich, Polen 2001

DVD 130min

Standort

WestEnd Regisseure A-Z

Sprachen
Deutsch   
Regie
Michael Haneke
Drehbuch
Michael Haneke
Kamera
Christian Berger
Musik
Francis Haines
Produzent
Veit Heiduschka
Literaturvorlage
Elfriede Jelinek
Schauspiel
Isabelle Huppert, Susanne Lothar, Udo Samel, Benoit Magimel, Annie Girardot, Anna Sigalevitch
Awards
Cannes: Bester Schauspieler für Benoit Magimel
Cannes: Beste Schauspielerin für Isabelle Huppert
Genre
Drama
Inhalt
Einen Schüler an einem Wiener Konservatorium treibt es in eine extreme Beziehung zu einer Lehrerin. Schockierendes Psychogramm einer aussichtslosen Beziehung nach dem Roman von Elfriede Jelinek.

Kommentare

4 Punkte von Liv:
Eine Professorin des Musikkonservatoriums lebt immer noch bei ihrer Mutter - beide führen ein Verhältnis aus tiefster Abhängigkeit. Zu Gefühlen unfähig, kennt sie einzig die Musik, bis ein junger, lebensfroher und musikalisch begabter Pianist sich in ihr Leben drängt. Eine kompromisslose Beziehung zwischen kurzfristigen, gewalttätigen Momenten der Nähe treibt beide zu ihren tieferliegenden sexuellen Wünschen. Nach der Vorlage von Elfiede Jelineks gleichnamigen Roman lebt Hanekes Film vorrangig von der Tiefgründigkeit des Buches. Die Geschichte wird einfach nacherzählt, adaptiert, übertragen in ein anderes Medium. In das vergänglichere Medium, dessen flüchtige Bedeutung die kurzen, äußerst intensiven Momente in der filmischen Inszenierung begünstigt. Haneke ist nichts für den Liebhaber des bewegten Bildes, Haneke ist ein Mann des Kopfes, des Konstruktes, des Überbaus: in statischen Einstellungen verachtet er die mögliche Virtuosität der filmischen Techniken. Geschickt ist er allerdings in seiner Wahl der Entfernung - immer im Halbnah sich befindlich, die Großaufnahme vermeidend, hält er Zuschauer auf Distanz, appeliert an seine Beobachtung, nicht an seine Empathie. Allerdings verachtet er dadurch die Momente, die das wahre Kino etablierten, denn gerade in der Großaufnahme, in dem exakten Betrachten einer menschlichen Befindlichkeit findet sich die Einzigartigkeit des Films. Haneke schreibt sich mit seiner Praxis der halbnahen Distanz dem Theater zu, in dem das Publikum, je nach Platzkarte, dem Spiel in Halbnaher oder weiter Bildeinstellung folgen kann.

3 Punkte von anonym:
Sehr abgedreht

5 Punkte von Björn Siebert:
Die Klavierspielerin von Jelinek ist ein großartiges Buch und die Verfilmung ist ein großartiger Film, eine der besten Romanverfilmungen überhaupt. Dies liegt hauptsächlich an der Konsequenz der dargestellten Geschichte und der durchaus perfekten Umsetzung. Ich bin der Meinung der Film konnte nur von Michael Haneke so verwirklicht werden, einem anderen Regisseur wäre das Kunststück nicht gelungen, den Roman auf die Kinoleinwand zu übertragen. Das liegt eigentlich nicht an der Kompetenz Hanekes (Funny Games und Wolfzeit sind durchaus keine guten Filme) sondern an der berühmten Affinität. Haneke und Jelinek, das muss einfach sitzen. Das grausame (Das Überthema Hanekes) ist hier in der psychologischen Veranlagung der Protagonisten zu finden. Die psychologischen Strukturen von Erika (Isabelle Huppert) und Walter Klemmer (Benoit Magimel) sind nämlich so angelegt, dass es zwangsläufig zu einem Eklat kommen muss. Er, der Spieler der gelangweilt von gleichaltrigen eine (sexuelle) Herausforderung sucht und in der unnahbaren Klavierspielerin sein Meisterstück wittert. Sie, die sexuell unerfahrene, die zwischen Liebe und Pornografie nicht mehr zu unterscheiden vermag und sexuelle Stimmulanz durch Erniedrigung und Selbsverstümmelung erfährt. Sie mit ihren tief unterdrückten Gefühlen würde nur mit einem selbstsicheren Mann eine Beziehung anfangen können. So ist in der Charaktereigenschaften der beiden Figuren alles Leid schon längst vorprogrammiert. Seit Taxi-Driver von Martin Scorsese hat es in der Filmgeschichte keinen Film mehr gegeben, der die psychologischen Strukturen seiner Figuren so stimmig zeichnet und sie später so konsequent und meisterlich seziert. Dieser Film ist ein modernes Meisterwerk.

5 Punkte von the von Stücks:
Das beißende körperliche Unbehagen, das mir dieser Film bereitet hat, lässt sich nicht in Worte kleiden. Ein stiller Kältesturm. Die für mich gewaltigste Szene, das erstarrte Erschrecken Erikas vor ihrem Selbst, vor ihrer seelischen Verkrüppelung, als sie auf dem Boden liegt und Walter sie endlich schlägt, als sie erkennt, dass der Wahnsinn ihr Herz umklammert hält, da habe ich aufgehört, mich nur zu ekeln vor ihr, nur angwidert zu sein. Da erst habe ich Zugang finden können. Ich kann mir keine andere filmische Umsetzung vorstellen, Haneke ist ein Meister darin, Grausamkeit und Irrsinn gleichsam in ihrer Alltäglichkeit zu zeigen und ihnen doch den Status eines Phänomens zu geben, dass gerade nicht gewöhnlich ist, dass in Leben einbricht und sie zerstört.

2 Punkte von lasonrisaescondida:
Die Figuren sind gut gespielt, äußerst intensiv, aber wie auch schon "Das weiße Band" überzeugt mich der Film schlichtweg nicht. Längen sind definitiv zu viele da, auch noch soviel Intensität, schauspielerische Leistung und Authentizität kann die fehlenden Bewegungen -denn darum geht es doch irgendwo im Film- nicht wettmachen. Zudem ist im Ganzen die Geschichte nicht rund, und darum auch keine 130 Minuten Film wert - ich habe ihn zwar ausgehalten, aber mehr als ein ausdrucksstarkes Porträt einer "Kranken" ist er für mich nicht. Ich würde ihn nicht weiterempfehlen.

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