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Die Verachtung
Le mépris

Frankreich, Italien 1963

DVD 99min

Standort

WestEnd Regisseure A-Z

Sprachen
Deutsch, Englisch, Französisch   
Untertitel
Deutsch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch   
Regie
Jean-Luc Godard
Drehbuch
Jean-Luc Godard
Kamera
Raoul Coutard
Musik
Georges Delerue
Produzent
Carlo Ponti, Georges de Beauregard, Joseph E. Levine
Literaturvorlage
Alberto Moravia
Schauspiel
Michel Piccoli, Fritz Lang, Jack Palance, Brigitte Bardot
Empfohlen von
Lars , Inga, Mitarbeiter
Genre
Drama
Stichworte
films about filmmaking
Inhalt
Die Ehe eines Drehbuchautors zerbricht bei den Arbeiten zu einem Odysseus-Film, weil seine Frau glaubt, er wolle sie zur Absicherung seiner Position an den Produzenten abtreten. Film über das Drehen von Filmen und außergewöhnliches Dokument der Selbstreflexion. Nach einem Roman von Alberto Moravia ("Ich und Er").

Kommentare

5 Punkte von Liv:
Sie ist einfach so unglaublich anzuschauen, und er verkörpert vieles von dem, was wohl jeder mal gern wär: Brigitte Bardot, als Schöne, und Michel Piccoli, als junger engagierter, künstlerisch angehauchter Drehbuchautor. Und die Verachtung? Allzu schnell, und allzu unbewusst treten Umstände ins Leben, die die Beziehung der beiden Protagonisten auf eine ernste, zuweilen brutale Probe stellen. Doch bleibt der Film immer distantiert, analysierend, gerecht oder auch einfach nur beobachtend im Spiel der beiden um den Anspruch an den anderen. Le mepris gehört zu den wenigen Film-im-Film Filmen, d.h. Thema des Films ist der Dreh eines anderen Films. Seine cinematographische Refernz erhält er auf diesem Gebiet unter anderem durch den melancholischen Auftritt von Fritz Lang als Regisseur. Godard schafft eine wunderbare Mischung: äusserst kunstvoll verbindet er die verschiedenen Themen, und die daraus erwachsenden Ansprüche. Uns Sterblichen bleibt da nur eins: eine ganz, ganz tiefe Verneigung vor einem Mann, und vor einem Kino, dessen Faszination und Liebe selten so deutlich geworden ist.

4 Punkte von Stefan:
Nicht irgendein Drehbuch steht hier zur Debatte - es geht um die Verfilmung von Homers Odyssee, der Mutter aller Geschichten. Ein zynisch-verrohter Produzent könnte dabei dem Drehbuchautor Paul aufs Karriere-Sprungbrett helfen. Als Pauls Frau dessen Kleinmut zu erkennen glaubt, wendet sie sich enttäuscht von ihm ab. Und am Set der `Odyssee` leistet selbst der große Fritz Lang kaum noch mehr als Dienst nach Vorschrift... Künstlerische Emanzipation gegen industrielles Kunstdiktat, private Loyalität gegen öffentliche Korrumpierbarkeit, Mythos gegen Unglauben - geht's vielleicht auch ein wenig kleiner? Kaum, denn es handelt sich um Jean-Luc Godards Manifest über die Unantastbarkeit des Filmschaffenden. Wer allein seinen vollkommenen Vorspann gesehen hat, wird den Film dafür schon lieben - auch wenn dieses überreflexierte Symbolwerk künstlerischer Autonomie bisweilen verdächtige Züge affektierter Wichtigtuerei aufweist. Altkluge Parabeln wechseln sich ab mit verborgenen Andeutungen und Zitaten; wie ein eigenständiges Kammerspiel entfaltet sich die endlos wirkende Szene des Ehedramas in den eigentlichen Film hinein; die willkürlichen Einschübe jener wunderschönen Musik von Georges Delerue betonen das große Rätsel, von dem die Kunst des Kinos letztendlich doch zweifellos beseelt ist ...

3 Punkte von tru:
Eigentlich scheint in der Ehe von Camille und Paul Javal alles im Lot zu sein. Sie sind frisch in ihre neue Wohnung gezogen und werden nicht müde, sich ihrer Liebe zu versichern. Doch von einen Tag auf den anderen wird plötzlich alles anders: Camille reagiert immer ablehnender auf ihren Ehemann und kapselt sich mehr und mehr von ihm ab. Sie reden kaum noch miteinander und wenn, dann ist die negative Spannung spürbar. Die Liebe, die Camille und Paul einst miteinander fest verband, hat sich in Verachtung umgekehrt. Es ist aber nicht nur die Lieblosigkeit, die die Beiden verzweifeln lässt, es sind auch ihre Schuldgefühle. Das schlechte Gewissen, dass sich Gefühle gewandelt haben, und die Unfähigkeit zweier Menschen miteinander zu kommunizieren, sorgt für Ratlosigkeit. Das Bild der Ehe von Camille und Paul ist in „Die Verachtung“ ein trostloses. Die Hoffnungslosigkeit der Javals und ihre Erkenntnis, dass auch große Liebe erlischen kann, deprimiert.

3 Punkte von Björn Siebert:
Jeder große Regisseur muß wohl einmal im Leben einen Film über das Filmemachen drehen. Woody Allen mit "Hollywood Ending", Truffaut mit der "Amerikanischen Nacht", Elia Kazan mit "Der letzte Tycoon", Billy Wilder mit "Sunset Boulevard" und Godard mit "Die Verachtung" wobei Godard, Wilder und Kazan wenigstens den Mut bewiesen den Regisseur nicht gleich selbst zu spielen. Kazan geht sogar noch weiter und zeigt das Filmemachen von der "bösen" Seite, nämlich vom Produzenten aus gesehen. Die Rolle von Fritz Lang ist hier wirklich grandios ausgearbeitet, aber die Ehe von Michel Piccoli und Brigitte Bardot kommt einem doch seltsam konstruiert vor, als hätten sie sich erst vor Stunden (oder: vor Drehbeginn?) kennen gelernt. Ich stehe ein wenig auf Kriegsfuß mit diesem Film, seine Selbstreflexion ist etwas hochgegriffen und nicht wirklich erhellend, seine Lichtdramaturgie dafür überzeugend. Die Doppelung Camille/Kunst soll noch vielschichtiger durch die Anspielungen auf die Geschichte aus Homers Sage werden. In einer Szene, in der die Javals der Filmcrew auf Capri gefolgt sind, diskutieren und interpretieren Lang und Paul das Innenleben der Figuren Odysseus und Penelope - und meinen natürlich Camille und Paul. Alles in "Die Verachtung" ist eine Anspielung, sei es auf andere Filme, auf Godards persönliche Misere, einen kommerziellen Bardot-Film zu planen, aber eigentlich einen Kunstfilm zu drehen, oder auf die Geschichte, die vom Film-im-Film, vom Filmemachen berichtet, selbst. Trotzdem kann ich mir nicht helfen, diese eitle Kunst/Kommerz Debate um Hochkultur, um Filmkunst um Prostitution an der wahren Schöpfung geht mir eigentlich am Arsch vorbei, Godards anti-kapitalistischen Einstellung entlarvt sich doch gehörig als elitäre Luftblase. Aber diese lichtdurchfluteten Bilder! OK, inhaltlich überschätzt, filmisch grandios.

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb