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Lilja 4-ever

Schweden 2002

DVD 104min

Standort

WestEnd Regisseure A-Z

Sprachen
Deutsch, Russisch, Schwedisch   
Untertitel
Deutsch   
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Regie
Lukas Moodysson
Drehbuch
Lukas Moodysson
Kamera
Ulf Brantås
Musik
Nathan Larson,  Rammstein
Produzent
Peter Aalbæk Jensen, Lars Jönsson, Tomas Eskilsson
Schauspiel
Oksana Akinshina, Tõnu Kark, Lyubov Agapova, Elina Benenson, Artyom Bogucharsky, Pavel Ponomaryov, Liliya Shinkaryova
Empfohlen von
Mitarbeiter
Genre
Drama
Stichworte
Coming-of-age, Prostitution, Milieudrama
Inhalt
Eine alleingelassene 15jährige aus Russland hofft in Schweden auf einen Ausweg aus Trostlosigkeit und Prostitution - ein fataler Irrtum. Teils nüchtern realistisch, teils überbordend poetisch: Ein kleines Film-Juwel zu einem schmerzhaften, ewig aktuellen Thema von Lukas Moodysson.

Kommentare

5 Punkte von anonym:
Ein bis an die Grenzen des erträglichen schöner und trauriger Film. Das Mädchen Lilja lebt irgendwo in der ehemaligen Sowjetunion, in einer namenlosen Kleinstadt. Ihre Mutter nimmt die Gelegenheit wahr, in die USA zu heiraten und läßt sie zurück. Ihre Tante, mit der Fürsorge beauftragt, wirft sie als erstes aus der Wohnung. Dies ist der Beginn eines Leidensweges, an dessen Ende Lilja - als Prostituierte nach Schweden verkauft - Selbstmord begeht. Der Film zelebriert Liljas Anmut und Lebenswillen - es braucht viel, um sie zu brechen. Viele Szenen sind mit einem "mehr geht nicht" an Emotionalität und Dramatik gedreht - etwa wenn Lilja wie von Sinnen ihre Mutter bittet, sie mitzunehmen, ihr hinterherläuft, dabei in den Schlamm fällt, schluchzend hocken bleibt und ein Hund an ihr schnüffelt. Trotz allem Übel läßt einen der Film nicht nur bedrückt zurück, denn eine Welt, in der Menschen wie Lilja leben, ist noch nicht verloren.

5 Punkte von Nine:
Ein hartes grausames Melodram über das Mädchen Lilja, die erst von ihrer Mutter, dann von den Freunden verlassen wird und in einem schwedischen Prostitutionsring landet. In seiner bitteren, pessimistischen Weltsicht und der schrittweisen Entfremdung und Vereinsamung schafft der Film beim Zuschauer eine Wirkung der hilflosen Empörung, die aufs Gemüt schlägt. Der Entzug der Würde der Protagonistin erhält ab und zu einen poetischen Lichblick in der "reinen" Freundschaft zu Volodja, doch auch ihn wird Lilja zurück bei seinem alkoholkranken Vater lassen. Agressive Rammsteindröhnung unterstreicht die Härte des Films. Sehenswert ist auch die Bonus DVD in der sensible Details entahlten sind. Zum Beispiel, dass es der Kameramann irgendwann in den subjektiven Einstellungen Liljas im schwedischen Prostitutionsring, nicht aushielt und das Handtuch warf.

4 Punkte von Liv:
Wir sehen alle Phasen der menschlichen Entfremdung und Vereinsamung. Ein von Bitterkeit und pessimistischer Weltsicht geprägter Film, der in Gestalt eines grausamen Melodrams vom Zusammenbruch sämtlicher (Wert-)Systeme erzählt. Betroffenheitskino.

5 Punkte von Susanne Schulz:
Lylia steht auf einer Autobahnbrücke in Malmö. Wie sie dahin gekommen ist erzählt der schwedische Regisseur Lukas Moodysson mit radikalen Bildern und ohne das kleinste Licht am Ende eines dunklen Tunnels aufflackern zu lassen. Zunächst befinden wir uns in Estland, aber das spielt keine Rolle, denn Betonwüsten, mit viel Dreck und wenig Hoffnung finden sich überall auf der Welt. Orte an denen die Menschlichkeit verlorengegangen ist und alle nur weg wollen. Lylias Mutter hat ihre Sachen auch gepackt, um mit neuem Lover in den USA ihr Glück zu versuchen. Ihre pubertierende Tochter ist Störfaktor und wird zurückgelassen. Hilfe findet sich keine für Lylia, im Gegenteil, sie wird verstoßen, betrogen und missbraucht und als ein hilfsbereiter junger Mann, die 16-jährige zu einer richtigen Verabredung einlädt, kann diese ihr Glück kaum fassen. Nach Schweden solle sie mit ihm gehen, etwas zusammen aufbauen, verspricht er ihr. Lylia glaubt an diese mögliche Normalität, nur ihr Schutzengel Volodya, ein ebenso Geschundener wie sie, warnt sie vor dem trügerischen Traum. Der Junge wohnt im Block gegenüber und verehrt Lylia, weil sie ihm Unterschlupf gewährt, wenn der Vater mal wieder auf ihn eingeprügelt hat. Zusammen schnupfen sie Leim, teilen sich das wenige Essen und geben sich Nestwärme – eine zarte Notgemeinschaft. Lylia packt trotzdem ihre Sachen und dieses Mal ist sie diejenige, die im Stich lässt. Doch Schweden wird sie nicht warm empfangen, die Autobahnbrücke ihre letzte Station sein. Moodysson vermag seinem politischen Anliegen Totalität und Eindringlichkeit zu verleihen, die an die Schmerzgrenze gehen. Trotz oder gerade wegen dramaturgischen Entscheidungen, die teilweise hart am Kitsch vorbeischrammen – theatralische Musik von Rammstein und Volodya als Metapher für Jesus – zwingt er den Zuschauer keine Minute an der Wahrhaftigkeit seiner Geschichte zu zweifeln. Mit Oksana Akinshina und Artiom Bogucharsky gelang es ihm zudem zwei Darsteller zu chasten, die dem hohen Druck ihrer Rollen standhalten und uns Moodyssons Geschichte mit ihren Augen sehen lassen. Ein großer Film.

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb