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Black Moon

Frankreich, BRD 1975

DVD 100min

Standort

WestEnd Regisseure A-Z

Sprachen
Deutsch, Englisch   
Untertitel
Deutsch   
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Regie
Louis Malle
Drehbuch
Louis Malle, Ghislain Uhry
Kamera
Sven Nykvist
Musik
Diego Masson
Produzent
Louis Malle
Schauspiel
Alexandra Stewart, Joe Dallesandro, Cathryn Harrison, Thérèse Giehse
Awards
César für Sven Nykvist
Genre
Fantasy, Drama
Stichworte
Kriegs-/Antikriegsfilm, Coming-of-age, Parabel, Psychodrama
Inhalt
Mythologisches Märchen über den Sprung zum Erwachsensein, darunter viele bekannte Motive aus Alice im Wunderland: Lily (Cathryn Harrison) gerät auf ihrer Flucht vor einem Bürgerkrieg zwischen Männern und Frauen auf eine entlegene Farm wo ihr zunächst alles merkwürdig und verdreht erscheint. - Letzter Film von Thérèse Giehse.

Kommentare

1 Punkte von Björn Siebert:
Ein Fiasko! Man kennt das Problem von überambitionierten Kunstfilmen. Am Ende stehen die wie Monolithen irgendwo in Zeit und Raum rum und verweisen doch nur auf die Eitelkeiten der jeweilige Regisseure. Offenbarungseide wie Lynchs „Inland Empire“, oder Greenaways „Prosperos Bücher “ oder den Bullshit von „The Fountain“, R: Darren Aronofsky, kommen einem da in den Sinn. Die haben am Ende so viel Relevanz für die Filmgeschichte, wie der letzte Chuck-Norris-Film. Gelegentlich ist das Scheitern ja noch charmant, bei so artifiziellen regionalen Projekten wie Dominik Grafs „Der Felsen“ oder Nicholas Roegs, großem, schweineteuren Mysterium „Eureka“. Diese Regisseure wurden aber auch schön kräftig an der Kinokasse vom gemeinen Publikum runtergeputzt. Man wollte ihnen auf die Schulter klopfen. Ihnen zuflüstern: Es kann nur Aufwärts gehen. Es ging aber nur noch Abwärts. Roeg zum Beispiel war nach „Eureka“ erledigt. Auch Louis Malle hat mit „Black Moon“ einen wirklichen Rohrkrepierer veröffentlicht. Und das natürlich Written, Produced and Directed. Zusammen mit seinem Kamerakünstler Nykvist hatte er Großes vor: Eine „Alice im Wunderland“-Geschichte, düster, anstrengend, kunstvoll überladen, auf Teufel komm raus „anders“, ein Märchen für Erwachsene. Doch Erwachsene wollen keine Märchen, sie wollen keine sprechenden Tiere sehen, keine versteckten erotischen Andeutungen ertragen. Hätte Malle doch wenigstens einen ordentlichen Erotikfilm gedreht. Das wäre ehrlicher gewesen (Mit seinem nächsten Film: „Pretty Baby“ war er im übrigen sehr nah dran am Porno). Eigentlich hätte man es ahnen können, wenn Einhörner in einem Erwachsenenfilm auftauchen, kann das nichts Gutes bedeuten. Wenn die dann auch noch zu sprechen anfangen, ist sowieso alles zu spät. Wohin führt denn dieser Realitätsverlust, wenn es keine wirklich mögliche Realitätsebene im Film zu bestaunen gibt? Wir sehen also nur eine Dimension, die der Märchenwelt. Robert Altman hat es mal geschafft, Einhörner und Fabelwelten in einen Film einzubauen, der den Realitätsverlust seiner Protagonistin schonungslos darstellt. „Images“ von 1972 war ein bitterer, mysteriöser und konzentrierter Film. Malle hätte ihn lieber sehen sollen. Denn sein Film kennt sich nirgendwo aus. Black Moon ist ein derartig langweiliger Film, er besitzt keinen nennenswerten erzählerischen Höhenpunkt, keine Spannung, keinen tieferen Sinn, obwohl natürlich ganz groß aufgetischt wird. Aber das System Märchenhaftes durch sinnlose Übergänge zu erzeugen ist wirklich zu dumm. Eine Szene: Das Mädchen sitzt alleine im Raum, Schnitt, auf einmal stehen eine ganze Schafsherde + 12 nackte Kinder im Raum. Das kennen wir aus der Zeit der Erfindung des Kinos. Da hat man wehrlosen Ponys auch einfach ein Horn zwischen die Augen geklebt und mit einem Schnitt und viel Kunstnebel einen Prinzen auf den Rücken gezaubert. Endlose Wiederholungen dieses visuellen Tricks (immerhin ohne Kunstnebel) lassen einen verzweifeln. Der Film ist nebenbei so blutig, dass man seine Kinder vor diesem Schinken dringend fernhalten muss. Der Anfang des Filmes ist erst mal nicht schlecht, schon hart, aber leider auch sehr vorhersehbar. Ein Ameisenbär (oder so etwas Ähnliches) hängt auf der Fahrbahn rum, wie dürfen es minutenlang betrachten, dann schwenkt die Kamera in die ferne, wir sehen ein Auto, und? Richtig! Das Tier wird überfahren. Im späteren Verlauf erstickt der Film dann in schrecklich ausgeleuchteten Sequenzen. Cathryn Harrison muss ziellos durch den Film stolpern, ständig fällt sie hin, und tut das doch mit so viel Anstand und schauspielerischer Opferungsbereitschaft, dass man wahrlich Mitleid für sie empfindet. Sie allein rettet den Film. Louis Malle hatte wohl schon eine Ahnung, so lässt er sie den ganzen Film über mit offener Bluse rumrennen. Selbst so noch, strahlt sie eine unglaubliche Würde aus, dass man fast heulen möchte. Sie wurde von Malle schändlich betrogen. Louis Malle hat sich erholt. In seiner amerikanischen Phase nahm er sich zurück und schuf intime Perlen, gleich mit Pretty Baby gab er sich lernfähig. Den Spagat zwischen historischem Sittenportrait, obszönem Voyeurismus und Gesellschaftsstudie hatte er diesmal gemeistert. Den Versuch, 3 Jahre früher mit „Black Moon“, „Fantasy“ „Kriegsfilm“ und „Märchen“ zu vereinen ging gehörig in die Hose.

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb