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Moby Dick

Grossbritannien 1956

DVD 115min

Standort

WestEnd Regisseure A-Z

Sprachen
Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch   
Untertitel
Deutsch, Französisch, Niederländisch, Spanisch, Italienisch   
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Regie
John Huston
Drehbuch
John Huston, Ray Bradbury, Norman Corwin
Kamera
Oswald Morris
Musik
Philip Sainton
Produzent
John Huston
Literaturvorlage
Herman Melville
Schauspiel
Orson Welles, Joan Plowright, Gregory Peck, Harry Andrews, Richard Basehart, James Robertson Justice, Leo Genn, Bernard Miles, Carol White
Empfohlen von
Martin, Mitarbeiter
Inhalt
Berühmtes Walfang-Abenteuer nach dem Roman von Herman Melville.

Kommentare

5 Punkte von Stefan Senf:
Melvilles "Moby Dick" ist unverfilmbar - darauf hat sich die Historie weitgehend geeinigt. Keinem Anderen als John Huston hätte der trotzdem unternommene Versuch gelingen können - auch da herrscht weitgehend Konsens. Und dass auch ihm der Versuch mißlang, ist keine Schande ... Nein, ab hier bin ich nicht mehr bereit mitzugehen! Nicht, dass es eine Schande wäre - nein, dass der Versuch misslungen wäre. Natürlich ist es nicht möglich, das Buch, so wie es ist, auf die Leinwand zu bringen, mit all seinen Exkursen und in Worten gemalten Bildern. Aber welcher halbwegs intelligente Mensch erwartet denn so etwas? Wenn Debussy eine Sinfonie nach Melville geschaffen hätte - kein Kritiker würde verlangen, dass er alle Seiten des Buches in Musik umsetzt; aber der Film soll es bitte schön tun. Nonsens! Was Huston schuf, ist ein filmisches Kunstwerk erster Kategorie, so eigenwillig und voller Atmosphäre wie die Vorlage, auch wenn er (und sein Co-Autor Ray Bradbury, der große Schöpfer von "Fahrenheit 451", "Mars-Chroniken" und "Ich bin Legende") sich mitunter von ihr entfernten. Diesen Film kann man nicht erhobener Nase denkend genießen, er bietet pralles Leben, dessen Sinn man vielleicht nicht nachvollziehen kann, dass einen aber in seinen Bann zieht. Gespottet wurde über Gregory Peck als Ahab, einige wenige verteidigten ihn - ich gehöre nicht dazu: sein Ahab ist eine Karikatur, wie stets, wenn Peck versuchte, wild und aufbrausend zu spielen. Das stechende Auge des künstlichen Wals strahlt mehr glühenden Hass aus als Pecks wilde Grimassen (sein nicht zu ihm passender Sprecher Klaus W. Krause glich dieses Manko mit vor Feuer donnernder Stimme nach Kräften aus). Oswald Morris tauchte das Geschehen in stumpfe, gewittrige Farbtöne, um alten verräucherten Gemälden nahe zu kommen. Auf der alten VHS wurden daher die Farben so weit aufgedreht, dass ein schmerzhaftes Bunt zustande kam. Darauf verzichtete man bei der DVD glücklicherweise - um die Farbgebung zu erhalten, verzichtete man sogar ganz auf Restaurierung, so dass leider auch eine Menge Aussetzer und Kratzer durch das Bild tanzen. Doch irgendwie passt das zum Film - in diesem Rahmen kann man sich sogar die ziemlich schlechte Tonqualität der deutschen Fassung schön reden, auch wenn die donnernde, ganz und gar englische Musik von Philip Sainton dadurch an Effekt verliert, sie umtost den Hörer trotzdem noch wie wildes Meeresbrausen. Wahrscheinlich wird man den Film beim ersten Ansehen gar nicht so sehr mögen (mir ging es so), es ist eine zu weit ab gelegene Welt, in die Huston eintauchte, aber vergessen wird man ihn nie. Und es kann sich sogar eine Lobeshymne daraus entwickeln, wie man an dieser Kritik sieht.

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb