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Battle in heaven
Batalla en el cielo

Frankreich, Mexiko, Belgien, BRD 2005

DVD 98min

Standort

WestEnd Drama - Europa & Welt

Sprachen
Deutsch, Spanisch   
Untertitel
Deutsch   
Regie
Carlos Reygadas
Drehbuch
Carlos Reygadas
Kamera
Diego Martínez Vignatti
Musik
John Tavener
Produzent
Philippe Bober, Carlos Reygadas, Susanne Marian
Schauspiel
Marcos Hernández, Brenda Angulo, David Bornstien, El Mago, Anapola Mushkadiz, Rosalinda Ramirez, Bertha Ruiz
Empfohlen von
Mitarbeiter
Genre
Drama
Stichworte
Entführung, Religion
Inhalt
Um an Geld zu kommen, kidnappt Marcos mit seiner Frau das Kind der Nachbarin. Als das Kind bei der Entführung stirbt, vertraut sich Marcos der reichen Tochter seines Chefs an. Diese prostituiert sich aus Langeweile und findet in dem Gepeinigtem ein willkommenes Spielzeug.

Kommentare

2 Punkte von Lars Tuncay:
Ein feister Mexikaner steht nackt in einem blauen Raum. Schweiß steht auf seiner Stirn, der Atem geht schwer. Eine hübsche junge Frau macht sich an seinem Gemächt zu schaffen. Die kontroverse Eröffnungssequenz in Carlos Reygadas „Battle in Heaven“ setzt die Zeichen für den weiteren Verlauf des Films. Marcos ist der Chauffeur des Generals. Wenn er nicht frühmorgens den Fahnenappel begleitet, kutschiert er die Tochter seines Vorgesetzten durch Mexico City. Anna betreibt einen Hostesstenservice, ohne das Wissen ihres Vaters. Marcos heimliche Liebe zu ihr entwickelt durch einen tragischen Vorfall eine seltsame Ebene. Der hilflose Loser entführte gemeinsam mit seiner Frau das Baby einer Freundin. Das Kind stirbt und Marcos wandelt betäubt durch die Großstadt. In der allgegenwärtigen Wallfahrt versucht er Vergebung zu finden. Reygadas („Japòn“) Zweitwerk ist geprägt von dieser tauben Stimmung. Mit Blaufiltern durchsetzt begleiten wir den wortlosen Protagonisten durch den Moloch Mexiko City. Dabei gelingen Diego Martínez Vignatti, der schon Reygadas minimalistischen Erstling eindrucksvoll ins Bild setzte, traumgleiche und -hafte Aufnahmen. Die Geschichte schleppt sich derweil in langen Einstellungen dahin, was auf Dauer ermüdend wirkt. Die Ereignislosigkeit gipfelt in einem unverständlichen Ausbruch, der die depressive Grundstimmung des Films auf die Spitze treibt. Untersetzt ist das Ganze mit Szenen, die skandalös wirken wollen, den Skandal in künstlerischer Hinsicht aber nicht rechtfertigen. So bleibt der Versuch zu spalten reiner Selbstzeck und der letztjährige Wettbewerbsbeitrag in Cannes hinterlässt ein unbefriedigendes Gefühl.

2 Punkte von the von Stücks:
"Entweder man liebt oder man hasst den Film", steht auf der Rückseite des DVD- Covers geschrieben. Vorausgesetzt, man schafft es, sich überhaupt erst mal eine Meinung zu dem Ganzen zu bilden; vielleicht könnte ich dann irgendwann sagen, ob ich den Film mag oder nicht. Was will der Film? Ich hab's einfach nicht kapiert. Da ist der Mann, dessen emotionale Leere und Stumpfheit man ohne Mühe an seinem stetig ausdruckslosen Gesicht ablesen kann und der sich mit der Tochter seines Chefs zum Ficken trifft. Ohne Erotik wohlgemerkt, man schaut zu, wie sich Geschlechtsorgane aneinander reiben und mags nicht sehen, weil es langweilig ist. Wie der Rest vom Film irgendwie. Die Sache mit dem Kind spielt nur im Hintergrund eine Rolle. Was motiviert diese Menschen, was empfinden sie? Man sitzt wie vor einer gründlich gemauerten Wand und weiß nicht weiter. Ich bin ratlos. Oder auch nur zu doof für sowas.

3 Punkte von T-Bone Steak:
Marcos, fett, schweigsam, mit traurigen Augen und müden Bewegungen, liebt Anna. Anna, die Tochter aus jenem guten Haus, für das Marcos als Chauffeur arbeitet. Anna, hübsch und mit sanftem Lächeln, verdient Geld als Hure. Für Anna ein Abenteuer, eine Freiheit, die sie sich nimmt. Hin und wieder schläft Anna mit Marcos. Marcos, der verheiratet ist. Und der mit seiner Frau ein Baby entführt hat. Das entführte Baby stirbt. Im Film wird das in wenigen Sätzen abgehandelt. Auslöser für ein blutiges Schuld- und Leidensmysterium ist es dennoch. Mit Dostojewskis SCHULD UND SÜHNE als Handlungskompass, wühlt sich Regisseur Carlos Reygades tief hinein in den menschlichen Dreck des Millionenmolochs Mexico City. Leid, Ekel, Hässlichkeit. Dumpfe Gier und Gottsuche. Schwitzige Geilheit und der Hunger nach der reinen Liebe. Da fließt Blut und Sperma, da wird geschwitzt und kopuliert. Reygades zelebriert das Hässliche geradezu mit masochistischer Inbrunst. Doch kleidet er diese Inbrunst in das Gewand einer nüchternen, spröden Inszenierung. Klare, auch bestechend schöne Bilder, immer in dokumentarischer Distanz. Freilich, der Blick wird nicht abgewendet. Reygades ist unbarmherzig im Zeigen. Mitunter ist das platte Provokation. Skandallüstern. Schwer zu sagen, ob diese Tabuverletzungen bloßer künstlerischer Eitelkeit oder Wut und Trauer entspringen. Kalkül oder nicht- BATTLE IN HEAVEN ist konsequent und schenkt mit seiner direkten und radikalen Art des Erzählens weder sich, noch dem Publikum etwas. Bezeichnend, dass Reygades in seinem Film das paradiesische Jenseits an eine explizit pornografische Szene koppelt. Eine Szene, die alles auf einmal ist: dumm und schön, erotisch und banal.

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