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Kukuschka - Der Kuckuck
Kukushka

Russland 2002

DVD 99min

Standort

WestEnd Drama - Europa & Welt

Sprachen
Russisch, Finnisch, Mehrsprachig, Samisch   
Untertitel
Deutsch, Französisch   
Regie
Aleksandr Rogozhkin
Drehbuch
Aleksandr Rogozhkin
Kamera
Andrei Zhegalov
Musik
Dmitri Pavlov
Produzent
Sergei Selyanov
Schauspiel
Viktor Bychkov, Ville Haapasalo, Anni-Kristiina Juuso, Aleksei Kashnikov
Genre
Komödie, Drama, Action
Stichworte
Dreiecksbeziehung, Kriegs-/Antikriegsfilm
Inhalt
Die Bäuerin Anni lebt allein in der weiten Tundra Lapplands, an einem glitzernden See, auf ihrem Hof, fernab von den Kriegsgeschehnissen. Ivan, ein verletzter russischer Korporal und Veiko, ein Finne auf der Flucht, finden bei ihr Unterschlupf. Da keiner die Sprache des Anderen spricht , die drei auch sonst sehr verschieden sind und Annis Augenaufschlag Veiko und Ivan gänzlich verzaubert hat, ergeben sich zwangläufig zahlreiche Irrtümer und Mißverständnisse. Die originelle Liebesgeschichte aus dem Norden erhielt 2003 den Publikumspreis in San Sebastian und wurde als Bester Film beim Filmfestival Moskau 2002 geehrt.

Kommentare

4 Punkte von Lars Tuncay:
1944 irgendwo in Lappland: Zunächst fallen ein paar Worte Russisch und Deutsch, dann sind wir mit Veikko allein in der Stille. Der junge Scharfschütze ist ungewollt von der Universität in die Kriegswirren geraten, als die Deutschen Finnland besetzten. Jetzt sitzt er in einer Nazi-Uniform an einen Felsen gekettet fest. Bei seinem erfindungsreichen Befreiungsversuch beobachtet er einen Gefangenentransport, der von einer Fliegerstaffel abgeschossen wird. Der Gefangene überlebt und die Lappin Anni schleppt ihn in ihr Haus, um ihn gesund zu pflegen. Schließlich entkommt auch Veikko seinem Gefängnis und sucht Schutz bei Anni. Die junge Frau freut sich über so viel männliche Abwechslung, wurde ihr Mann doch vor Jahren von der Armee verschleppt. So vergnügt sie sich bald mit Veikko und holt den Russen Ivan zurück ins Leben. Inmitten der verschneiten Berghänge könnte dies für die drei das Paradies sein, würde nicht im Kopf von Ivan noch immer Krieg herrschen. Da alle drei eine andere Sprache sprechen, fällt es Veikko schwer, dem Russen klar zu machen, dass er gezwungen wurde, für die Deutschen zu kämpfen. Schließlich eskaliert die Situation. Aus Russland kommt – mit dreijähriger Verspätung – dieses Plädoyer gegen den Krieg und für Völkerverständigung, selbst wenn sie so schwer fällt, wie in diesem Falle. Wir lesen derweil Untertitel und amüsieren uns über die situationsbedingte Komik. Aber egal, welche Sprache man spricht, dieses russische Kleinod ist ein herzerwärmendes Gleichnis über die menschliche Idiotie Kriege zu führen – und ein gutes Beispiel dafür, warum man Kinofilme nicht synchronisieren sollte.

5 Punkte von the von Stücks:
Eine außergewöhnliche, groteske menage à trois: die verwegene Anni, eine Überlebenskünstlerin und weise Schamanin, der schwermütige Ivan, dem das Leben eine Last wird und Veiko, der Sehnsucht hat nach dem Frieden und nach Glück. Auf Annis einsamen Hof entspinnt sich Eifersucht, Lachen, Liebschaft und babylonisches Sprachgewirr. Niemand kann auf den anderen hören, aber Gesten verstehen sie doch alle. Und so tastet sich das skurrile Dreiergespann durch die Tage, beobachtet sich argwöhnisch und redet unablässig aufeinander ein. Und aneinander miteinander vorbei. Der Film beweist, dass Menschen zueinander finden können, die völlig verschieden, völlig anders sind und dass es Hoffnung gibt, auch ohne Sprache und Worte.

4 Punkte von Susanne Schulz:
Kukushka, der Kuckuck, ist ein fabelhafter Film in gleich mehreren Bedeutungsebene: zunächst war ein „Kuckuck“ für die Finnen in der Zeit des 2. Weltkrieges ein verurteilter Scharfschütze. Veiko ist einer von ihnen. Da die Finnen auf deutscher Seite kämpfen, wird er als überzeugter Kriegsverweigerer zum Verräter. In einer deutschen Uniform, gut sichtbar für die russischen Kampfflieger, prometheusgleich an einen Felsen geschmiedet, soll er sterben, doch mit Klugheit und der Kraft des Feuers kann er sich retten. Kukushka ist aber auch der Geburtsname der jungen Lappin Anni, die seit ihr Mann in den Krieg eingezogen wurde, ihren kleinen Hof nebst Rentieren selbst versorgen muss. Bei einem ihrer Spaziergänge findet sie die Leichen von russischen Soldaten, die sie begräbt. Doch einer von ihnen atmet noch. Anni schleppt den schwer verwundeten Ivan in ihre Hütte und pflegt ihn mit einer Mischung aus Rentierblut und Milch gesund. Als Veiko mit den Resten seiner verräterischen Fußfessel auf dem Hof erscheint, ist die Besetzung des von Aleksandr Rokoshkins lehrreich inszenierten Verwirrspiels komplett. Nicht nur, dass sich Russland und Finnland noch im Krieg befinden - Ivan hält Veiko wegen dessen deutscher Uniform sowieso für einen feindlichen Faschisten – sondern Anni, die vier Jahre lang keinen Mann gesehen hat, ist mit so viel männlicher Präsenz völlig überfordert. Allerdings stoßen ihre erotischen Phantasien auf zunächst nicht verstehende Ohren – alle drei reden und philosophieren aneinander vorbei, was das gemeinsame Alltagsleben schwierig gestaltet. Doch der Ort des Friedens, den Annis Hof und in gewisser Weise auch ihre kindlich-naive Seele verkörpern, hilft den beiden kriegsmüden Männern auch ohne viel Worte wieder zu sich selbst zu finden. „Kukushka“ steht somit für Krieg und Versöhnung in einem. Das eigentlich „Fabelhafte“ an der moralischen Geschichte ist jedoch die unangestrengte Natürlichkeit mit der sie zwischen mystischer Metapher und amüsanter Dreiecksgeschichte balanciert. Zu danken ist dies dreier hervorragender Darsteller, aber auch der spröden Schönheit der lappländischen Landschaft.

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb