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Lemming

Frankreich 2005

DVD 129min

Standort

WestEnd DVD-Katalog/ Thriller

Sprachen
Deutsch, Französisch   
Untertitel
Deutsch   
Regie
Dominik Moll
Drehbuch
Gilles Marchand, Dominik Moll
Kamera
Jean-Marc Fabre
Musik
David Whitaker
Produzent
Michel Saint-Jean
Schauspiel
Charlotte Rampling, Charlotte Gainsbourg, André Dussollier, Laurent Lucas, Jacques Bonnaffe
Genre
Drama, Thriller
Inhalt
Es beginnt mit einem Lemming im Abwasserschlauch: das heile Leben des jungen Ehepaars Alain und Bénédicte Getty bekommt Risse. Der Besuch von Alains Chef Richard Pollock und seiner Frau wirft die beiden aus der Bahn. Bénédicte beginnt eine Affäre mit Pollock, und Alain droht den Verstand zu verlieren. Mysteriöses Psychospiel ganz in der Tradition David Lynchs.

Kommentare

4 Punkte von Lars Tuncay:
Das Grauen macht sich breit in einer französischen Familienidylle: das hatten wir erst kürzlich auf der Leinwand, in Michael Hanekes „Caché“. Von Haneke hat Ausnahmeregisseur Dominik Moll („Harry meint es gut mit dir“) augenscheinlich viel gelernt. Aber auch von David Lynch und Stanley Kubrick. In seiner Abrechnung mit der Upper Class ist ein winziges Pelztier der Anfang vom Ende. Als Alain Getty (Laurent Lucas) einen verirrten Lemming im Abflussrohr ihres noblen Hauses entdeckt, messen er und seine Frau Bénédicte (Charlotte Gainsburg) dem zunächst keinerlei Bedeutung zu. Doch der mysteriöse Fund des suizidalen Nagers trifft mit dem Besuch von Alains Chef Richard Pollock (André Dussolier) und dessen Frau Alice (Charlotte Rampling) zusammen. Die verbitterte Alice verursacht einen Eklat und beschimpft ihren Mann aufs Übelste. Der gleichzeitige Neid und die Verachtung für das heile Leben der Gettys treibt sie Tags drauf zurück in das Haus der Gettys. Sie schließt sich im Gästezimmer ein und nimmt sich das Leben. Der Vorfall wirft das junge Paar aus der Bahn und die Situation gerät Alain außer Kontrolle, als Bénédicte erfährt, dass ihm Alice Avancen gemacht hat – denen er anscheinend nicht abgeneigt war. Mit zunehmender Laufzeit wächst das Unbehagen in Dominik Molls Film. Der deutsche Autor und Regisseur zieht die Schlinge um Alains Hals immer enger und lässt ihn gemeinsam mit dem Zuschauer durch die Ereignisse taumeln, die immer mysteriöser werden und mit der Wahrnehmung spielen. Ein entscheidendes Element stellt dabei die Musik dar, die den Thrill meist vorweg nimmt und Unbehagen verbreitet. In diesem Sinne ist der Eröffnungsfilm der letztjährigen Filmfestspiele in Cannes ein klassischer Thriller mit unkonventioneller Erzählweise. Vor allem aber eins: spannend bis zuletzt.

5 Punkte von plug:
Der Vergleich zu Hanekes Caché ist nicht zu leugnen. Erfreulicherweise hat Moll hier seinen eigenen Stil entwickelt und schöpft ihn unweigerlich aus. Dagegen sind Hanekes medienkritische Tiraden und altväterliche Pädagogik mir doch eher Graus denn Filmgenuss. Seit Mulholland Drive gab es keinen Film der mich derart handwerklich aber auch in der Story faszinierte wie Lemming von Moll. Wo Haneke mit wackligen Kameras und einer irren Szene seinen langatmigen Film zurechtbugsiert und wo die gesellschaftliche Kritik an der gehobenen Mittelklasse stehen bleibt, da legt Moll noch einige Hölzer nach und schürt eine Spannung zwischen den Hauptdarstellern, dass meint meint das Knistern hören zu können. Wenn sich die Schlinge und den Hauptdarsteller in seiner Ehehölle zuzieht und die Auswege weniger werden, dann denkt man an eine Hommage an Lynch. Insbesondere bei der Innenansicht des Hauses fühlt man sich als sei man im Lost Highway. Wo Haneke leider etwas belanglos die Videometapher kopiert nuzt Haneke eher Stil und Kontraste der Vorbilder in der Mis-en-Scene. Feingekleidete Damen im sonnigen Frankreich sagen böse Dinge und wiedereinmal kann man nicht anders als -wow- zu denken bei Farbfiltern und wohl diesen durchdachten Dialogen. Man muss ihn einfach ein zweites Mal sehen. Der direkte Vergleich zu Caché hat Lemming für mich klar entschieden. Wenn man Session 9 oder Lynch mag, dan ist man richtig bei einer kleinen Sternstunde französischen Kinos.

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb