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The Wicker Man
Anthony Shaffer's The Wicker Man

Grossbritannien 1973

DVD 100min

Standort

WestEnd Thriller

Sprachen
Englisch   
Untertitel
Deutsch   
Regie
Robin Hardy
Drehbuch
Anthony Shaffer
Kamera
Harry Waxman
Musik
Paul Giovanni
Produzent
Peter Snell
Literaturvorlage
David Pinner
Schauspiel
Christopher Lee, Edward Woodward, Ian Wilson, John Sharp, Britt Ekland, Diane Cilento, Irene Sunters, John Hallam, Russell Waters, Lindsay Kemp, Peter Brewis, Aubrey Morris, Ingrid Pitt
Awards
Saturn Award: Best Horror Film
Empfohlen von
Mitarbeiter
Genre
Thriller, Drama, Kriminalfilm
Stichworte
Entführung, Klassiker, Kommissare
Inhalt
Der Film, der einen nahezu legendären Ruf in der Filmgeschichte genießt, handelt von einem Polizisten, der nach einem verschwundenen Mädchen auf den Hebriden vor Schottland sucht. Dort schlägt ihm seitens der Bevölkerung eine feindliche Stimmung entgegen und der streng gläubige Beamte erfährt bald von praktizierten heidnischen Kulten.

Kommentare

5 Punkte von Björn Siebert:
Ein Polizist versucht auf einer abgelegenen Insel das Verschwinden eines jungen Mädchens aufzuklären. Dabei entdeckt er, dass auf der Insel heidnische Rituale durchgeführt werden. Der Verdacht fällt auf den Inselfürsten und Friedensrichter Lord Summerisle (Christopher Lee). Hat er den Plan gefasst, das Mädchen als Fruchtbarkeitsopfer den alten Göttern als Besänftigung zu überlassen? Doch der Plan der Inselbewohner ist noch teuflischer als der christlich erzogene Sergeant Neil Howie sich vorstellen vermag. Aus dem Hüter für Recht und Ordnung und dem akribischen Jäger wird schlussendlich der Gejagte. Filmvermarktungsfirmen lassen mittlerweile oft den Verdacht durchscheinen bei jedem zweiten ihrer vertriebenen Filme würde es sich um einen Kult-Film handeln. Doch Kultfilme durchwandern meist andere Wege als sich das Werbeagenturen so vorstellen. „The Wicker Man“ in Amerika und Europa zu Unrecht fast völlig vergessen ist z.B. einer der größten Kultfilme Englands und wird dort regelmäßig als einer der fünf besten Horrorfilme gehandelt. Er ist in der Tat einer der absonderlichsten Filme die jemals gedreht wurde. Es gibt keinen vergleichbaren Film, obwohl er dem Genre des Detektivfilmes und des Horrorfilms entstammt ist er ein vollkommenes Novum in der Filmgeschichte. Um den Film, der inhaltlich von alten Riten, Mythen und Volksgeschichten handelt, ranken mittlerweile ebenso viele Mythen und obskure Geschichten. Verschwunden Negative und unzählige Schnittfassungen ließen diesen Film nie zur Ruhe kommen, die Extras auf dieser DVD räumen wenigstens mit dem Gerücht auf, bei der abschließenden Opferungsszene wären echte Tieropferungen bewusste in Kauf genommen wurden. „The Wicker Man“ kommt jetzt sehr schön von Kinowelt verpackt als Doppel DVD daher, dort kann man sich die 84 Minuten Version ansehen, die das damalige Studio arg gekürzt auf den Markt gebracht hat, oder die 99 Minuten Version, die als Director’s-Cut fungiert, in Wahrheit aber die erste Schnittversion war, und als Verschwunden galt, bis eine Promo-Kopie adressiert an Roger Corman von diesem an den Regisseur zurückgeschickt wurde. Der Versuch „The Wicker Man“ einzuordnen ist wirklich schwierig aber nicht unmöglich: Das Skript von Shaffer ist erst mal reines Detektiv-Kino, vielleicht ist es ganz hilfreich zu erwähnen, dass Shaffer für Hitchcock „Frenzy“ schrieb und ansonsten einige Agatha Christie Adaptionen hinlegte, wie z.B.: „Mord im Orientexpress“. Diese Fälle waren auch schon immer mit einem doppelten Boden ausgelegt. Bei „The Wicker Man“ scheint unter der Oberfläche das Genre des Horrorfilms durch, viele der Stars waren alte Hammer-Studio Freunde und man nahm auch direkt Bezug auf die Tradition britischer Horrorfilme. Doch Anthony Shaffer, Peter Snell, Chistopher Lee und Regisseur Robin Hardy wollten einen anderen Horrorfilm drehen, so spielt sich das Grauen im Hellen und nicht im Dunkeln ab, genauso wie das Opfer umgekehrt ausgesucht ist. Denn beim Hexensabbat werden nicht Hexen von Christen verfolgt, nein, diesmal ist der Gottesfürchtige das Opfer. Die dritte Ebene, die das System üblicher Horrorfilme vollkommen aushebelt, ist das Musical. Wie viele Gesangseinlagen „The Wicker Man“ aufweist ist schwer zählbar und verwirrt den Zuschauer umso mehr. British Lion hasste dieses Horrormusical, das sich gegen alle Genrekonventionen auflehnte, der Film wurde mit dem ebenfalls verhassten „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ in eine Doppelvorstellung gepackt und lieblos beworben. Heute vollkommen unverständlich: Froh wäre man schon, wenn man nur einen der Filme damals im Kino gesehen hätte. Neidisch auf die Menschen die beim Double-Feature dabei waren. Vermeintliche Kultfilm-Doppelvorstellungen wie „Death Proof“ und „Planet Terror“ können da niemals mithalten. Kultfilm wird man ohne eigenes zutun, diesen Auszeichnungstitel im Vorfeld anzukündigen ist hingegen reines Marketing. The Wicker Man ist ein wirklich echter, wahrer Kult-Film, wer ihn nicht gesehen hat, hat nicht weniger als eine Sternstunde verpasst.

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb