Blättern  

Suche

Suche
WestEnd Logo

Full Metal Village

BRD 2006

DVD 90min

Standort

WestEnd DVD-Katalog/Musikfilm (K)

Sprachen
Deutsch   
Untertitel
Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch   
Regie
Sung Hyung Cho
Drehbuch
Sung Hyung Cho
Kamera
Marcus Winterbauer
Musik
Peyman Yazdanian
Produzent
Helge Albers, Roshanak Behesht Nedjad, Konstantin Kröning
Awards
Max-Ophüls-Preis
Genre
Dokumentation, Musikfilm
Stichworte
Doku - Lebensräume
Inhalt
Das beschauliche Leben in Wacken, einem Dorf in Schleswig-Holstein, wird einmal im Jahr für 3 Tage von Zehntausenden Metalfans gehörig durch gerüttelt. Mit langen Haaren, schwarzen Ledermänteln und Nietenhalsbändern strömen diese aus aller Welt in das Dorf zum Wacken Open Air Festival. Die vielschichtige und humorvolle Dokumentation über die Begegnung zweier Kulturen wurde 2007 mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet.

Kommentare

5 Punkte von plug:
Jeder nicht Metal - bzw. Wackenfan sollte sich diesen Film dennoch zu Gemüte führen. Hier zeigt eine Asiatin wie deutscher Heimatpatriotismus im Dokumentarfilm richtig verpackt wird. Doch natürlich ist ein Augenzwinkern dabei, wenn zwei Wochen vor dem großen Metalevent die Jugend des Dorfes, der Großbauer und die etwas tristen Kühe "befragt" werden. Im TV lief unlängst nur eine kurze Fernsehversion, die den Charme der Kinolangfassung NICHT standhält. Also bitte taucht ein in die Niedersächsische Provinz und geniesst dieses Kleinod, welches selbst meine Eltern begeistern und fesseln konnte. Nur Mut, greift auch mal zum DoKfilm jenseits von Michael Moore.

4 Punkte von Lars Tuncay:
Wacken: ein Ort, wie jedes andere Provinzkaff. Bauern sitzen in der Scheune oder auf dem Trecker und rauchen in den Tag hinein, Omas sitzen beim Kaffeekränzchen und Teenager sitzen fest. Soweit so unspektakulär. Einmal im Jahr ist das holsteinische Wacken aber der Mittelpunkt der Metalwelt. Wenn 40.000 langhaarige, schwarz gewandete Headbanger den Edeka in der Ortsmitte überrollen und den 1800 Seelen die Teufelshörner entgegenstrecken, könnte das zu kulturellen Konflikten führen. Dass Metal und Milchkühe aber trotzdem hervorragend koexistieren, zeigt die Südkoreanerin Sung-Hyung Cho in ihrem Dokumentarfilm. Das Bild von drei tätowierten Hünen, die im Tante-Emma-Laden brav ihre Kekse bezahlen, erweckte das Interesse der seit siebzehn Jahren in Deutschland lebenden Asiatin. Sie bezeichnet ihr Werk selbstbewusst als einen Heimatfilm und dokumentiert rund eine Stunde lang das Dorfleben, bevor im letzten Drittel dann die Horden einfallen. Bei der Beobachtung der Dörfler gelingen Sung-Hyung Cho sehr intime Momente und Gespräche, die sie völlig unkommentiert lässt. Sie nimmt sich nicht heraus und ist hin und wieder als staunende Fremde im Bild zu sehen. Die freundlichen Dorfbewohner fühlen sich so ein ums andere Mal verpflichtet, der Außenstehenden zu erklären, wie Kartoffeln geerntet werden oder wie man Kühe am Euter erkennt. Diese erfrischende Einsicht von Außen ist es, die FULL METAL VILLAGE ausmacht und ihm den Max Ophüls Preis einbrachte, der damit erstmals an einen Dokumentarfilm verliehen wurde. Der nüchterne, kommentarlose Blick hat aber auch seine Tücken: die naive Sehnsucht der Enkelin nach dem Dritten Reich und die fremdenfeindlichen Bemerkungen eines arbeitslosen Familienvaters werden unreflektiert in den Raum gestellt und könnten leicht missverstanden werden. Hier wäre weniger vielleicht mehr gewesen, was auch einige Längen überwunden hätte, die sich einschleichen. Wenn am Ende aber tausende Menschen zur Wackener Blaskapelle „bangen“, verzeiht man dem sympathischen Provinzporträt auch das.

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb