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Slumming

Österreich, Schweiz, BRD 2006

DVD 100min

Standort

WestEnd Drama - Europa & Welt

Sprachen
Deutsch   
Regie
Michael Glawogger
Drehbuch
Barbara Albert, Michael Glawogger
Kamera
Martin Gschlacht
Musik
Walter W. Cikan
Produzent
Martin Gschlacht, Erich Lackner
Schauspiel
August Diehl, Pia Hierzegger, Paulus Manker, Michael Ostrowski, Kathrin Resetarits, Martina Zinner, Andreas Kiendl, Loretta Pflaum
Empfohlen von
Martin, Mitarbeiter
Genre
Komödie, Drama
Stichworte
Schwarze Komödie
Inhalt
Sebastian und Alex ziehen allabendlich durch Wiener Kneipen und schauen anderen beim Leben zu, kommentieren deren Tun und greifen manchmal ein. So trifft es auch den Strassenpoeten Franz Kallmann, dem sie die Papiere abnehmen und im tschechischen Znojmo aussetzen. Pia, Sebastians Internetbekanntschaft, erfährt davon und macht sich auf den Weg den bei eisiger Kälte in der Fremde umher irrenden Kallmann zu helfen.

Kommentare

5 Punkte von Inti:
Wieder einmal erschreckendes aber realistisches, tiefschwarzhumoriges Kino aus Österreich. Mit einem großartigen Paulus Manker als ständig sturzbesoffenem "Straßenpoeten" Kallman, der method acting auf höchstem Niveau bietet (er war bei den meisten Szenen tatsächich volltrunken!). Kallman steht im Zentrum Wiens herum und pöbelt Leute an, um ihnen seine Gedichte zu verkaufen und davon die nächste Pulle zu finanzieren. Familie oder Freunde hat er keine, außer der Kneipenfreundschaft Herta, und er will auch gar keine, denn sämtliche Menschen sind ihm verhasst, egal welcher Herkunft, Hautfarbe, Religion etc. In dieser Lebenseinstellung deckt sich sein Charakter mit den beiden Yuppies Sebastian (August Diehl) und Alex, die allerdings das nötige Kleingeld und damit Ignoranz besitzen ihrem Umfeld gefühlskalt und äußerst zynisch gegenüberzutreten. Geld verdienen sie unter anderem mit "unterm Rock"-Photos von Frauen, mit denen sie sich in Chats verabreden, ansosnsten machen sie nix richtiges, sind reich von Haus aus. Eines Nachts streifen sie gelangweilt durch die Stadt und entdecken den delierenden Kallmann, packen ihn in den BMW und fahren ihn über die tschechische Grenze. Dort erwacht Kallmann am nächsten Morgen ohne Pass, Geld und Orientierung. Während er völlig verzweifelt durchs Land streift, versucht Sebastian die junge Lehrerin Pia herumzukriegen, in die er sich nach eigenen Angaben unglaublich verliebt hat, doch als die erfährt, was die beiden angesellt haben, lässt sie ihn sitzen und sucht zusammen mit Herta nach Kallmann. Der hat währenddessen in einer abgelegenen Jagdhütte dem Alkohol abgeschworen, wäre fast ertrunken und erfroren. Ob und wie sich die drei Schicksale von Pia, Sebastian und Kallman nochmal treffen soll hier nicht verraten werden, also seht selbst. Es ist ein wahres Vergnügen dem Ekel Kallmann zuzuschauen und vor allem zu hören! Seine bukowsk'sche Poesie und sein tragisches Dasein erzeugen Sympathie was nicht zuletzt dem hervorragenden Darsteller geschuldet ist. Ebenso überzeugt August Diehl als eiskaltes, angeblich kultviertes Jüngelchen, dem nur Geld irgend etwas bedeutet, und der erkennen muss, dass wahre Liebe ihm verwehrt wird. Glücklicherweise gerät der Film nicht zur sentimentalen Resozialisation eines reichen Arschlochs, denn er lernt rein gar nichts dazu. Eher wird der Looser gefeiert, auch und gerade weil er es schafft von seinem definitiv selbszerstörerischen Trip runterzukommen. Dem Regisseur Michael Glaggower gelingt ein überraschender Film, der sich besonders durch seinen dokumentarischen Stil auszeichnet, die Figuren eigentlich nur begleitet und nicht tief in sie dringen kann und will, denn ihr Verhalten verrät genug über sie. Ein nicht ganz alltägliches, von Sehgewohnheiten und dramaturgischen Allgemeinplätzen stark abweichendes Werk das dennoch oder gerade deswegen überzeugt!

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb